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Samstag, 16. Oktober 2010

Raubmilben, Mondmeteoriten, Gallensteine - Wunderkammern des Wissens

von Hubert Filser

Raubmilben, Mondmeteoriten, Gallensteine: Was tun mit den oft bizarren und manchmal wertvollen Sammlungen, die Amateure und Wissenschaftler hinterlassen?


In dieser Geschichte geht es um Raubmilben, um rußige Steine, für die auf Märkten in Westafrika eine Million Euro gezahlt werden, um einen Berliner Musiker, der in Asien Schmetterlinge sucht, um einen Nobelpreisträger, der sein Lebenswerk in Gefahr sieht, und um die womöglich weltweit größte Ansammlung von Gallensteinen. Am Rande kommen ein abgeschnittener Elefantenfuß vor, der als Schirmständer diente, und ein Gürteltier, das nach seinem Ableben als Lampenschirm in einer Berliner Wohnung hing.

Die Menschen, die hinter diesen Objekten stecken, verbindet eine tiefe Leidenschaft: Sie sind Wissenschaftler und Amateur-Forscher, die mit hohem finanziellen und zeitlichen Aufwand oft bemerkenswerte Sammlungen zusammentragen. Am Ende ihres Lebens oder ihrer Karriere stehen sie vor der Frage, was sie mit ihrem Schatz tun sollen. 


> im Originalartikel der Süddeutschen Zeitung vom 16.10.10 weiterlesen. 


Blick in die Gallensteinsammlung des Berliner Medizinhistorischen Museums.
Foto Widulin, Medizinhistor. Museum. Für großes Bild oben genannten Artikel aufrufen.


Kommentar von Reinhold Leinfelder:

Der Artikel von Hubert Filser behandelt  auch die wissenschaftliche Bedeutung von Sammlungen. Auc erwähnt er, dass sich der wissenschaftliche Wert von Objekten teilweise erst später erschließt, wenn vielleicht neue Methoden entwickelt wurden. So schreibt er auch "Deshalb ist es klug, die Schätze zu bewahren. 'Wir sind eine Art Hüter der Informationen, die in der Zukunft noch wertvoll sein können', sagt Nobelpreisträger Blumberg. Wer weiß, welche Erkrankung man einmal anhand seiner Blutproben-Sammlung untersuchen können wird?

Filser schließt mit folgendem Kapitel zu der Gallenstein-Sammlung des Berliner Medizin-Historischen Museums: "Und deshalb sollte man auch die besondere Kollektion der Navena Widulin wertschätzen: Die Präparatorin im Medizin-Historischen Museum der Charité sammelt seit 13 Jahren Gallensteine, höchst bemerkenswerte Objekte aus dem menschlichen Körper, die mal aussehen wie Karamell-Bonbons, manchmal schillern, manchmal glatt sind, manchmal klein und kieselig sind, oder groß wie eine Kartoffel. In durchsichtigen Behältern hebt sie jeden Gallenstein auf, den sie bekommt. "Ich finde das faszinierend", sagt sie. "Mein Chef ist auch begeistert."
 

In langen Reihen stehen die Behälter gestapelt, man könnte den Ort für ein Lager exquisiter Süßigkeiten halten. Vielleicht ist es auch der optischen Qualität zu verdanken, dass alle Menschen, die von der Gallenstein-Sammlung hören, Navena Widulin unterstützen, indem sie ihr Steine aus Gallenoperationen zuschicken. Inzwischen gibt es weltweit kein Museum, das eine größere Gallensteinsammlung hat. Was man wissenschaftlich damit anstellen soll, weiß keiner so genau."


Mit dem allerletzten Satz, mit dem auch der Artikel schließt, scheint der Autor also (noch) keine wirklich wissenschaftliche Anwendung zu sehen. Wie wäre es mit folgender Idee, auch wenn ich kein Mediziner bin: wenn alle Patientendaten für die jeweiligen Gallensteine der Wissenschaft zur Verfügung stünden, wären die Gallensteine m.E eben auch eine wunderbare Forschungsressource. Es gibt ja unterschiedliche Typen von Gallensteinen, je nach unterschiedlichen Auslösern. Außerdem könnte man die Anteile der "Risikofaktoren" für Gallensteine vermutlich besser in den Griff bekommen. Die sogenannten 5F-Risikofakoren für Gallensteine lauten zumindest laut Wikipedia: female, fertile, forty, fat, fair, family. Auch dieses Beispiel zeigt also mal wieder, wie wichtig die Bedeutung der Metadaten rund um die Sammlungsobjekte sind. Erst damit erhalten sie wissenschaftlichen Wert.

 

Samstag, 3. Oktober 2009

Gründung des Humboldt-Rings – ein neuartiger Verbund deutscher Forschungsmuseen

Berlin/Bonn/Karlsruhe/Stuttgart/München: Der Humboldt-Ring - 75 Mio. Sammlungsobjekte als gemeinsame Ressource für integrative Forschung

Die fünf großen, international tätigen naturkundlichen Forschungsmuseen in Berlin, Bonn, Karlsruhe, Stuttgart und München unterzeichneten am 24. September 2009 ein Kooperationsabkommen zur Gründung eines neuen Verbunds, des "Humboldt-Rings", der in seiner Gesamtheit für Deutschland einmalig ist: Die beteiligten naturwissenschaftlichen Sammlungen und Forschungsinstitute bilden mit ihren zusammen über 75 Mio. Objekten umfassenden wissenschaftlichen Sammlungen, ihren zahlreichen Laboren und Bibliotheken und über 290 Wissenschaftlern die größte naturkundliche Forschungsinfrastruktur in Deutschland.

Im Einzelnen handelt es sich bei den Mitglieder um das Museum für Naturkunde Berlin, das Zoologische Forschungsmuseum Alexander Koenig (Bonn), das Staatliche Museum für Naturkunde Karlsruhe, das Staatliche Museum für Naturkunde Stuttgart und die Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns (München).



Übergeordnetes inhaltliches Ziel ist die Förderung und der Ausbau innovativer, integrativer Forschung inklusive der dazu notwendigen Infrastruktur im Bereich der Biodiversität und Evolution sowie zu den Wechselwirkungen zwischen unbelebter und belebter Natur, der System-Erde-Forschung.

Der Humboldt-Ring strebt, bei gleichzeitiger Bewahrung der föderalen Eigenständigkeiten der verbundenen Institutionen eine gemeinsame Vertretung in nationalen und internationalen Angelegenheiten an. Neben den fünf Gründungsmitgliedern ist der Ring auch offen für weitere, überregional bedeutende Einrichtungen, die ebenfalls die genannten Prinzipien und Ziele unterstützen.



Reinhold Leinfelder, der Gründungssprecher des Humboldt-Rings sowie Leiter des Konsortiums "Deutsche Naturwissenschaftliche Forschungssammlungen e.V. (DNFS)" freut sich: "Mit der Gründung des Humboldt-Rings haben wir die Kleinteiligkeit der forschenden Naturkundemuseen in Deutschland endlich überwunden. Mit dem Humboldt-Ring haben sich die herausragenden großen Naturmuseen aus vier Bundesländern zu einer innovativen Verbundstruktur zusammengeschlossen. Die integrative Evolutions-, Biodiversitäts- und System-Erde-Forschung Deutschlands hat damit einen weithin sichtbaren Leuchtturm, gleichsam ein Naturforschungs-Synchrotron bekommen, welches wir zum besseren Verständnis der Dynamik unseres Planeten und der Lösung der großen Umweltprobleme dringend benötigen. Denn nur was wir kennen und verstehen, können wir auch nachhaltig nutzen".



Die Institutionen des Humboldt-Rings verpflichten sich zu gemeinsam abgestimmten Aktivitäten und Strategien in Forschung, Ausbildung und Öffentlichkeitsarbeit, insbesondere der gemeinsamen Nutzung und komplementärer Entwicklung ihrer Forschungs- und Sammlungsressourcen, der Abstimmung ihrer Sammlungs-, Forschungs- und Personalpolitik, der Erarbeitung gemeinsamer Konzepte und Standards zur Verfügbarmachung und nachhaltigen Nutzung von Primärdaten und Forschungsinformation sowie der Einrichtung eines gemeinsamen wissenschaftlichen Beirats. Die Mitgliedsinstitutionen ergänzen sich hierbei und arbeiten Effizienz fördernd auf Augenhöhe zusammen. Sie fühlen sich den Qualitätsstandards der Leibniz-Gemeinschaft verpflichtet.



Der Name des neuen Verbunds wurde zu Ehren des großen deutschen Naturforschers Alexander von Humboldt gewählt, dessen auf Gelände- und Sammlungsarbeit beruhende, interdisziplinärer Erforschung und Vermittlung der Naturgeschichte und Naturprozesse sich die unterzeichnenden Institutionen verpflichtet fühlen.

Die fünf Gründungsmitglieder des Humboldt-Rings:


Museum für Naturkunde -
Leibniz Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung an der Humboldt-Universität zu Berlin

Generaldirektor: Prof. Dr. Reinhold Leinfelder

http://www.naturkundemuseum-berlin.de



Staatliche Naturwissenschaftliche Sammlungen Bayerns

Generaldirektor: Prof. Dr. Gerhard Haszprunar

http://www.naturwissenschaftlichesammlungenbayerns.de



Staatliches Museum für Naturkunde Karlsruhe

Direktor: Prof. Dr. Norbert Lenz

http://www.naturkundemuseum-karlsruhe.de



Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart

Direktorin: Prof. Dr. Johanna Eder

http://www.naturkundemuseum-bw.de/stuttgart



Zoologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig, Bonn
Direktor: Prof. Dr. Wolfgang Wägele

http://www.museumkoenig.de


Website des Humboldt-Rings: http://www.humboldt-ring.de