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Dienstag, 19. Juli 2011

Darwin und kein Ende?

Heute einmal in eigener Sache. Basierend auf dem an der Humboldt-Universität durchgeführten Symposium "Streit um Darwin" sind nun die  Ergebnisse in überarbeiteter, stark ergänzter und reich bebilderter Form in Buchform erschienen. Das Buch richtet sich insbesondere an Biologie- und Theologielehrer, ist aber auch für alle anderen am Thema interessierten Leser geeignet.

Aus der Verlagsinformation:

Herausgegeben von Horst Bayrhuber, Astrid Faber, Reinhold Leinfelder

Darwin und kein Ende?
Kontroversen zu Evolution und Schöpfung

Die auf Charles Darwin zurückgehende Evolutionstheorie hat die Biologie revolutioniert. Sie wurde seit dem 19. Jahrhundert enorm weiterentwickelt und vielfältig abgesichert, hat aber das menschliche Welt- und Selbstverständnis so nachhaltig beeinflusst, dass sie bis heute Gegenstand heftiger Diskussionen und Kontroversen ist. Von religionsfundamentalistischer Seite wird die Evolutionstheorie abgelehnt; von szientistischer Seite wird sie oft zur Widerlegung des religiösen Glaubens angeführt.
In diesem Buch setzen sich Biologen und Theologen in 12 Beiträgen mit dem Thema „Evolution und Schöpfung“ auseinander, wobei kein Widerspruch zwischen naturwissen- schaftlichen Aussagen zur Evolution und theologischen Aussagen zur Schöpfung gesehen wird. Die lebendigen Kontroversen zu Evolution und Schöpfung, zu Atheismus und Intelligent Design sind auch im Unterricht Thema. Lehrkräfte erhalten in diesem Buch profunde Hintergrundinformationen, wobei auch aktuelle Untersuchungen zu Einstellungen und Vorstellungen von SchülerInnen dargestellt werden. Das umfangreiche Bild- und Textmaterial unterstützt eine fächerverbindende Bearbeitung des Themas.

Die Herausgeber:
Prof. Dr. Horst Bayrhuber ist Biologiedidaktiker und Herausgeber des Schulbuches Linder Biologie. Er war bis 2007 Direktor am IPN in Kiel.
Astrid Faber ist Diplom-Biologin und arbeitet im Bereich Museumspädagogik am Museum für Naturkunde, Berlin.
Prof. Dr. Reinhold Leinfelder ist Paläontologe und Geobiologe an der Humboldt Universität zu Berlin und war bis 2010 Generaldirektor des Museums für Naturkunde, Berlin.



Die Autoren: Roman Asshoff, Horst Bayrhuber, Dirk Evers, Marcus Hammann, Hansjörg Hemminger, Uwe Hoßfeld, Britta Klose, Martina Kölbl-Ebert, Reinhold Leinfelder, Harald Lesch, Martin Rothgangel, Richard Schröder, Annette Upmeier zu Belzen


Textsammlung, mit Texten von Charles Darwin, Ernst Haeckel, Jostein Gaarder, Albert Einstein, Karl Barth, Stephen Jay Gould, Richard David Precht, Tycho Brahe, William Paley, Daniel Dennett, Bertrand Russell, Richard Dawkins, Monika Maron, Genesis, Joseph Haydn, Heinrich Heine und weiteren.


Horst Bayrhuber, Astrid Faber, Reinhold Leinfelder, 2011, Darwin und kein Ende? Kontroversen zu Evolution und Schöpfung. 21,5 x 23 cm, 240 Seiten, vierfarbig, Hardcover, mit Lesebändchen, Friedrich-Verlag (Klett-Gruppe), ISBN 978-3-7800-1078-0 € 27,95

Weitere Informationen:

> Verlagsseite
> Inhaltsverzeichnis (pdf, 444 kb)
> Vorwort (pdf, 1033 kb)

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Korrektur / Update zum Anthropozän (Stand 9. Aug. 2011): Auf S. 33 des Buchs wurde bzgl. des Beginns des Anthropozäns leider nicht exakt formuliert. Korrekt ist, dass mit dem Beginn der menschlichen Kultur die teils sehr starken menschlichen Einflüsse auf die Umwelt begannen. Steffen, Crutzen & McNeil (2007) sprechen hierbei jedoch von präanthropozänen Ereignissen innerhalb des Pleistozäns und Holozäns. Das eigentliche Anthropozän lassen die Autoren erst etwa um das Jahr 1800, also mit dem ersten Industrialisierungsschub beginnen. Dies basiert auf dem  Originalvorschlag von Paul Crutzen und Eugene Stoermer (2000) bzw. Paul Crutzen (2002). Allerdings wird der Beginn des Anthropozäns nach wie vor sehr kontrovers diskutiert und ist bislang noch nicht verbindlich festgelegt. So schlug Ruddiman (2003) in einer umfassenden, gut dokumentierten Stellungnahme zu Crutzen & Stoermer (2002) vor, den Anthropozän-Beginn auf mehrere Tausend Jahre (bis zu 8000 Jahre vor heute) zurückzuverlegen (Early Anthropocene sensu Ruddiman). Doughty et al (2010) griffen dies nochmals auf und sehen gute Argumente dafür, den Beginn des Anthropozäns tatsächlich ins Pleistozän zurückzuverlegen.  Zur aktuellen Diskussion siehe u.a. Steffen et al. (2011) und Ellis (2011). Weitere Infos zum Anthropozän unter http://en.wikipedia.org/wiki/Anthropocene (Abfrage am 9.8.2011) sowie demnächst unter http://www.anthropocene.de.

Zitierte Literatur:
Crutzen, P. & Stoermer, E. (2000): The 'Anthropocene'". Global Change  Newsletter 41, S. 17-18, IGBP ((Royal Swedish Academy of Sciences, Stockholm)
Crutzen, P.  (2002) Geology of mankind. Nature 415 (6867): 23. doi:10.1038/415023a
Doughty, C. E.; Wolf, A.; Field, C. B. (2010): "Biophysical feedbacks between the Pleistocene megafauna extinction and climate: The first human-induced global warming?". Geophysical Research Letters 37 (L15703): 1–5. doi:10.1029/2010GL043985.
Ellis, E.C. (2011): Anthropogenic transformation of the terrestrial biosphere. Philosophical Transactions of the Royal Society A: Mathematical, Physical and Engineering Sciences, 369(1938), S.1010 -1035. doi: 10.1098/rsta.2010.0331
Ruddiman, William F. (2003): The anthropogenic greenhouse era began thousands of years ago.- Climatic Change 61 (3): 261–293. doi:10.1023/B:CLIM.0000004577.17928.fa
Steffen, W., Crutzen, P.J. & McNeill, J.R. (2007): The Anthropocene: Are Humans Now Overwhelming the Great Forces of Nature. AMBIO: A Journal of the Human Environment, 36(8), S.614-621. doi: 10.1579/0044-7447(2007)36[614:TAAHNO]2.0.CO;2
Steffen, W., Grinevald J, Crutzen P &  McNeill J. (2011): The Anthropocene: conceptual and historical perspectives. Philosophical Transactions of the Royal Society A: Mathematical, Physical and Engineering Sciences, 369(1938), S.842 -867. doi: 10.1098/rsta.2010.0327
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Montag, 27. Juni 2011

Glauben und Naturwissenschaft - ein Schülerartikel

Ein Artikel basierend auf Schülerinterviews (Berliner Morgenpost, online Version. Samstag, 25. Juni 2011):

Das schwierige Verhältnis zwischen Glauben und Naturwissenschaft

Bild aus mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de
Von Kilian Eissenhauer, Pascal Klose und Benjamin Langner, Kl. 7b, Canisius-Kolleg, Tiergarten

Lassen sich Naturwissenschaften und Glauben miteinander verbinden? Oder gibt es einen Konflikt zwischen beiden? Darüber gibt es immer wieder heftige Diskussionen. Wir haben zum Thema zwei Experten befragt, die aus verschiedenen Lagern kommen: den Berliner Geologen Prof. Reinhold Leinfelder sowie Pater Tobias Zimmermann SJ, den Rektor des Canisius-Kollegs Berlin.

„Wenn die Naturgesetze göttlich sind und die Spielregeln einmal aufgestellt wurden, damit die Welt sich so entwickeln kann, wie sie sich entwickelt hat, dann wäre es ja nicht perfekt, wenn man immer wieder nachjustieren müsste,“ sagt Prof. Leinfelder. Erstaunlicherweise ist Pater Zimmermann als Theologe ähnlicher Meinung: „Ich glaube, wenn man irgendwo in der Schöpfung einen Punkt sucht, den man nicht erklären kann und dann sagt, da muss Gott gehandelt haben, dann macht man einen Fehler.“ Es gibt allerdings einige Menschen, die genau das machen. Heute nennt man diese Leute Kreationisten, also Menschen, die der Meinung sind, dass die wörtliche Auslegung der Heiligen Schriften, insbesondere das 1. Buch Mose, die tatsächliche Entstehung von Leben und Universum beschreiben. Sie glauben, alles wäre Gottes Schaffenswerk, naturwissenschaftliche Erklärungsmodelle haben in ihrer Welt keinen Platz.

Genau so ein Kreationist war zunächst auch Charles Darwin (1809-1862), .... (weiterlesen im Originalartikel)

Montag, 28. Dezember 2009

Darwin und Weltbilder ein Jahr später - gibt es ein Fazit?

Während der letzten Wochen war berufsbedingt keine Zeit für weitere Blogeinträge, aber nun ist es Zeit, so langsam an ein Fazit des Darwin-Jahrs zu denken. Hierzu finden Sie nachträglich mein (Teil-)Fazit sowie meinen Ausblick (beides aus einem ausgearbeiteten Vortragsmanuskript. Den Vortrag hielt ich schon vor etlichen Monaten an meinem "alten" Gymnasium, in dem ich zur Schule ging und das Abitur machte). Der Text ist damit zwar schon ein paar Monate alt, er hat aber gerade wegen des "Kopenhagen"-Gipfels sowie des Übergangs in das UNO-Jahr der Biodiversität 2010 vielleicht doch eine gewisse Aktualität und schlägt auch ein paar versöhnliche, "nachweihnachtliche" Töne an.

Auszüge aus: (R)evolutionär unseres Weltbildes - Die Evolutionstheorie im Jahre 200 nach Darwin. Von Reinhold Leinfelder

Fazit: Selbstbeschränkung und Kooperation

Aus den Diskussionen und Debatten im Darwin-Jahr 2009 kann man vieles lernen. Den Naturwissenschaften ist dringend eine notwendige Selbstbeschränkung anzuraten: Naturwissenschaften sind zuständig für das Verständnis des „Wie funktioniert die Natur“? Wenn sie vom „Zweck“ reden, machen sie keine existenziell sinnhaften Aussagen, sondern sprechen über biologische Funktionen. Naturwissenschaftler sollten auch akzeptieren, dass es noch offene, vielleicht sogar wissenschaftlich nie lösbare Fragen gibt. Aber auch die Religionen sollten Selbstbeschränkung üben. Wo nachgefragt sind sie zuständig für Sinnfragen und „Metaphysik“. Religionen liegen für mich auf anderen Ebenen als Naturwissenschaften und kommen sich deshalb in aller Regel mit den Naturwissenschaften nicht in die Quere. Naturgemäß sind die Antworten der Religionen nichtwissenschaftlich (wobei ich hier nicht die Religionswissenschaften meine), sondern stellen Glaubensaussagen dar, man kann diese glaubhaft oder gar vernünftig finden oder auch nicht. Ein naturwissenschaftliches Weltbild kann als solches philosophisch reflektiert werden und zu einer persönlichen agnostischen oder atheistischen Weltanschauung erweitert werden, es kann aber auch um ein religiöses Weltbild zur Sinnhaftigkeit der Welt ergänzt werden und dann in eine wissenschaftsoffene, religiöse Weltanschauung münden. Beides ist weder zwingend noch allgemeingültig, sondern eine rein persönliche Entscheidung. Weltanschauliches Missionieren lehne ich von allen Seiten ab, sofern nicht nur ein Überzeugen durch Beispiel und Diskurs damit gemeint ist. Religiöse Traditionen sind allerdings auch Teil unseres Kulturverständnisses. Kulturelle Traditionen sind jedoch nicht sakrosankt, sie müssen natürlich hinterfragbar sein. Speziell für den Schulunterricht wären vielleicht modernisierte Bibelexegesen als Grundlagen für den Religionsunterricht wünschenswert. Es sollte auch durchaus Diskussionen zwischen Religion und Biologie geben, allerdings bei Wahrung der inhaltlichen Abgrenzung. Das Beispiel Kreationismus ist als Thema für entsprechende transdisziplinäre Module geeignet, um gemeinsam sowohl korrektes wissenschaftstheorisches Arbeiten als auch die Metaphysik der Religionen zu behandeln. Insgesamt muss die Evolutionstheorie auch möglichst authentisch vermittelt werden. Hierzu eignen sich Versuche und Beobachtungsreihen im Schulunterricht, Besuche in Universitätslabors sowie Integration von thematischen Schulausflügen in Zoos, botanische Gärten und Naturkundemuseen.


Abb. Hypothetisches Schema der Situationsbezogenheit von Wechselwirkungen zwischen evolutionsbiologischem Erbe und kultureller Evolution. Grün: biologisches Anteile, Orange: kulturelle Erweiterung, Orange um Grün: Kulturelle Überprägung des biologischen Anteils. Hellblau: gesellschaftliche normative „Kontrollkappe“.

a. wesentliche Grundbedürfnisse des Menschen, wie Essen und Schlafen sind selbstverständlich biologisch dominiert. Sie können in einem gewissen Umfang kulturell kontrolliert werden (Verteilung der Nahrungsaufnahme auf Frühstück-, Mittags-, und Abendessen, vegetarische Ernährung; teilweise Nachtarbeit ohne Schlaf), eine normative Kontrolle (z.B. Erwerb statt Raub von Nahrung) ist ebenfalls vorhanden.
b. Wissenschaft und Technik sind stark kulturell dominiert. Zwar verwenden bereits viele Tiere Werkzeuge, diese werden jedoch in der Regel nicht extra hergestellt. Auch ist die wissenschaftliche Neugier sicherlich zum Teil biologisch begründet. Wissenschaft und Technik können als Kulturtechniken in gewisser Weise als verlängerter Arm der biologischen Evolution gesehen werden, denn sie erlauben dem Menschen eine enorme Anpassung an seine Umwelt, auch an sich ändernde Bedingungen. Da die Fortschritte jedoch nicht genetisch, sondern kulturell tradiert werden, stellt diese Form gleichzeitig eine starke Emanzipation von unserem biologischen Erbe dar. Die starke Eigenständigkeit solcher kultureller Prozesse, darunter auch die Forschung benötigt jedoch eine besonders starke normative „Kontrollkappe“. Nicht alles Machbare ist gesellschaftlich sowie für das Überleben der Menschheit sinnvoll.
c. Unser sonstiges zwischenmenschliches und gesellschaftliches Verhalten setzt sich, sicherlich zu unterschiedlichen Anteilen aus biologisch ererbten Grundmustern und deren kulturellen Überprägung zusammen, wobei die kulturelle Überprägung eine stark regulative Wirkung besitzt. Eine normative Kontrollkappe (Gesetze, gesellschaftliche Regeln, ggf. auch religiöse Regeln) ist auch hier notwendig.
d. In speziellen, insbesondere Stresssituationen kann sich das biologische Erbe dominant in den Vordergrund schieben (etwa Aggressivität). Eine normative Kontrollkappe ist sicherlich gerade auch hier notwenig, dennoch erscheint es gerade hier sinnvoll, auch, normativ kontrolliert „Dampf ablassen“ zu können.
Abbildung und Abbildungserläuterung aus Leinfelder [27]



Ausblick: Quo Vadis?


Die Menschheit hat sich durch die menschengemachte Klima- und Umweltkrise den größten Selektionsversuch selbst auferlegt. Das Sterben der Korallenriffe, steigender Meeresspiegel, veränderte Niederschlagsmuster, immense Überfischung und Verlust der genetischen Ressourcen können Milliarden von Menschen bedrohen. Auch zur Bewältigung dieser Krise bedarf es evolutionären Wissens. Zum einen sind Biodiversität, Evolution, Umwelt und Klima eng miteinander vernetzt. Hier gilt es insbesondere, die dynamischen Prozesse von Biodiversitätsänderungen besser erkennen und möglicherweise sogar vorhersagen zu können. Dabei ist das Verständnis auch heute ablaufender Evolutionsprozesse wesentlich, um Reaktionen der belebten Natur auf Klima- und Umweltänderungen sowie mögliche natürliche und kulturelle Anpassungswege prognostizieren und bewerten zu können. Zum anderen benötigen wir für die Bewältigung der Umweltkrise auch eine weitere kulturelle (R)evolution. Seit der Industrialisierung pumpt die Menschheit ungezügelt alle fossilen Energieträger wieder in die Atmosphäre zurück. Kohlendioxid, welches über mehrere hunderte Millionen von Jahren entzogen wurde, wird nun - geologisch gesehen – sozusagen auf einmal als CO2 wieder in die Atmosphäre zurückgeführt. Zusätzlich werden biologische Kohlenstoffspeicher, wie Wälder oder Moore durch uns selbst vernichtet. Der Mensch muss, um die Erde weiterhin auch für die nachfolgenden Generationen nutzen zu können, radikal umdenken. Dazu benötigen wir mehr denn je unseren kulturellen Verstand, für den die biologische Evolution unseres Gehirns die Grundlage geliefert hat: Vor etwa 2,5 Millionen Jahren begann der Urmensch einfachste Steinwerkzeuge zu verwenden, was ihn jedoch kulturell noch nicht sehr vom Tier unterschied. Die erste kulturelle Revolution des Jägers und Sammlers fand vor etwa 600.000 Jahren mit der Bearbeitung von Faustkeilen und Feuergebrauch statt. Vor etwa 10.000 Jahren v. Chr. begann die neolithische Revolution, die uns Ackerbau und Viehzucht sowie im Gefolge den Hausbau brachte. Seit etwa 8000 Jahren v.Chr. breiteten sich Stadtkulturen und mit ihnen das Handwerk und Dienstleistungen, also umfassende Arbeitsteilung aus. Im späten 18 und 19. Jahrhundert erfolgte die Industrielle Revolution. Bleibt nur zu hoffen, dass die nächste, notwendige (R)evolution, eine „Kohlenstoff-Abrüstung“ und mit ihr der Eintritt in ein „postkarbones“, nachhaltiges Industriezeitalter nicht mehr lange auf sich warten lässt [28].

Was nützt unser Wissen über die Evolutionsvorgänge, welche zu Biodiversitätsverlust führen, was nützt es, wenn wir über die Klimaprozesse Bescheid wissen und wissenschaftlich abgesicherte Wahrscheinlichkeitsszenarien zur klimatischen Entwicklung machen können, was nützt es, wenn wir sogar die richtigen Handlungsweisen und Technologien zur Vermeidung beschreiben können, aber diese nicht umsetzen können? Diese Umsetzung muss demokratisch geschehen, aber sie kann damit nur erreicht werden, wenn wir die Auswirkungen unseres Handeln auch über die Generationen hinweg verstehen und dies entsprechend berücksichtigen. Dieser hohe Anspruch kann nur mit Hilfe einer kulturellen Transformation erfüllt werden. Prinzipiell sollten wir dazu fähig sein. Der Mensch ist zwar biologisch ein Tier (bzw. chemisch ein Molekülcocktail), das ist jedoch nur eine Seite der Medaille. Der Mensch ist zusätzlich eben gerade auch ein Kulturwesen. Die berühmte Menschenaffenforscherin Jane Goodall brachte es zum Eingang des Darwin-Jahrs in einem Cicero-Interview auf den Punkt: „Die Sprache, mit der wir moralische Entscheidungen treffen können, macht uns zum Menschen. Damit überlassen wir uns nicht dem bloßen Instinkt. Es ist die Fähigkeit, diskutieren und über abstrakte Dinge sprechen zu können, die nicht real existieren, sondern vor unserem geistigen Auge stehen. Diese Befähigung ist es, durch die sich unser Intellekt so explosionsartig weiterentwickelt hat“ [29]. Und der leider noch vor dem Darwin-Jahr im August 2008 verstorbene Neurobiologe und Tierphysiologe Gerhard Neuweiler sieht im Menschen eben doch die Krone der Evolution. Allerdings gilt dies nur, wenn wir es auf die Komplexität unseres Gehirns und seiner Fähigkeiten beziehen, denn der Mensch kann weder ohne Hilfsmittel fliegen noch lange tauchen, viele Tiere hören und riechen besser, oder laufen schneller. Aber unser höchst erhobenes Körperteil erlaubte uns die kulturelle Evolution. Neuweiler schreibt: „Im Menschen emanzipiert sich die Evolution, denn er ist das einzige Lebewesen, das die Werkzeuge der natürlichen Evolution in die Hände nehmen und ihr eine eigene humane Welt entgegensetzen kann“ . [30]
Diese humane Welt hat nichts mit einem „Neo-Humanismus“ bzw. „evolutionären Humanismus“ der Szientisten und Biologisten zu tun, welche allen Ernstes als „erklärtes Ziel“ fordern, „den Eigennutz in den Dienst der Humanität zu stellen“. Außerdem soll man zwar nicht lügen, betrügen, stehlen oder töten, „es sei denn es gibt im Notfall keine anderen Möglichkeiten die Ideale der Humanität durchzusetzen.“ [31] Wenn zur Durchsetzung der Ideale eines „Neo-Humanismus“ davon gebraucht gemacht werden sollte, dann rette sich wer kann vor diesem Humanismus. (siehe Anm. 34)

Wie wunderbar hingegen, aus einer Stadt zu stammen und von einer Schule zu kommen, die sich echtem Humanismus verpflichtet fühlt. So wurde schon am 25. September 1555 im Augsburger Reichs- und Religionsfrieden folgendes festgelegt: „Setzen demnach, ordnen, wollen und gebieten, daß fernerhin niemand, welcher Würde, Standes oder Wesens er auch sei, den anderen befehden, bekriegen, fangen, überziehen, belagern, […] [möchte], sondern ein jeder den anderen mit rechter Freundschaft und christlicher Liebe entgegentreten soll“ [32]. Dies schließt sich im aktuellen Schulkonzept des Gymnasiums bei St. Anna, welches ich weiter oben auszugsweise zitiert habe und welches auf Humanismus, Bewusstsein über die Würde des Individuums, auf Notwendigkeit zur Erforschung der Welt, auf Offenheit, Achtung, Toleranz und Respekt des Anderen fokussiert. Hier finden sich Aristoteles, Charles Darwin, Albert Einstein, Jürgen Habermas und Hans Jonas gleichermaßen: Der biblische Auftrag, sich die Erde untertan zu machen schließt sich hier zum „Ökologische Imperativ“ von Hans Jonas (1979): „Handle so, dass die Wirkungen deiner Handlungen verträglich sind mit der Permanenz echten menschlichen Lebens auf Erden“ [33]. Gerade als Naturwissenschaftler bin ich überzeugt, dass uns hier unser evolutionäres Erbe nicht weiterhelfen kann. Wir müssen hier gegen unseren biologisch-evolutionäres Eigennutz-Erbe handeln, denn biologische Evolution und biologisches Eigennutzverhalten können eben nicht weit vorausplanen. Unsere Welt weiter lebenswert zu machen und dabei über Generationen und über die eigenen Gene hinweg vorauszuschauen, ist eine kulturelle Herausforderung, in die unser gesamtes naturwissenschaftliches und kulturwissenschaftliches Wissen mit einfließen muss. Die Aufgabe kann nur gelingen, wenn Schulen wie das Gymnasium bei St. Anna hier die notwendigen Grundsteine legen.

> Zum gesamten Artikel: www.tinyurl.com/darwin-revolution (pdf 3 MB)

Oben verwendete Zitate:
  • 27 Leinfelder, R. R. (im Druck): Epilog: Darwins Erbe für die Zukunft, in: Charles Darwin Die Entstehung der Arten, mit zwei Beiträgen von Alfred Russel Wallace, illustriert, kommentiert und herausgegeben von Paul Wrede und Saskia Wrede, VCH- Wiley Weinheim.
  • 28 siehe hierzu auch: Schellnhuber, H.-J.,, Messner, D., Leggewie, C., Leinfelder, R.R., Nakicenovik, N., Rahmstorf, S., Schlacke, S., Schmid, J. & Schubert, R. (2009): Kassensturz für den Weltklimavertrag.- Sondergutachten, 58 S., Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung, Globale Umweltveränderungen (WBGU), Berlin. http://www.wbgu.de/wbgu_sn2009.html
  • 29 http://www.cicero.de/97.php?ress_id=7&item=3057
  • 30 Neuweiler, G. (2008): Und wir sind es doch - die Krone der Evolution. 253 S., Wagenbach-Verlag, Berlin.
  • 31 Schmidt-Salomon, M. (2006): Manifest des evolutionären Humanismus: Plädoyer für eine zeitgemäße Leitkultur. 196 S., Alibri-Verlag, Aschaffenburg (für die Giordano Bruno-Stiftung).
  • 32 Fide http://de.wikipedia.org/wiki/Augsburger_Reichs-_und_Religionsfrieden , Stand 17.7.2009
  • 33 Hans Jonas: Das Prinzip Verantwortung: Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation. Frankfurt/M., 1979. Neuauflage als Suhrkamp Taschenbuch, 1984
  • 34 Anm.: Dies ist keine Pauschalkritik an der evolutionären Psychologie bzw. der Soziobiologie, siehe hierzu die Diskussion im Gesamtartikel sowie Abbildung oben. Die Anteile des biologischen Erbes, auch des biologischen Eigennutzfaktors zu verstehen, um alle Verhaltensaspekte des Menschen insgesamt besser zu verstehen ist jedoch etwas völlig anderes, als eine biologistische, gar noch als "evolutionär-humanistisch" bezeichnete Weltanschauung darauf zu gründen.

Dienstag, 8. Dezember 2009

Adam, Eva und die Evolution - Kreationismus auf dem Vormarsch

Der SWR produzierte einen aktuellen Beitrag zum Thema Kreationismus, welcher am 19. und 21.11.2009 ausgestrahlt wurde und am 26.11. sowie 3.12.09 vom WDR übernommen wurde.

Der Beitrag ist auf www.planet-schule.de eingestellt und dort folgendermaßen anmoderiert:

"Der Mensch als Krone der Schöpfung, von Gott vor ungefähr 6000 Jahren erschaffen oder das Produkt von Millionen Jahren Evolution? Kreationisten glauben an die Wahrheit der biblischen Schöpfungsgeschichte und lehnen die Evolutionstheorie ab. In den USA pilgern sie ins "Creation Museum", wo sie ihre Sicht vom Anfang des Lebens bestätigt sehen. In Deutschland bezieht vor allem die Studiengemeinschaft Wort und Wissen Stellung gegen die gängige Lehrmeinung. Christliche Bekenntnisschulen gestalten den Biologieunterricht evolutionskritisch. Warum wird dieses Thema auch noch 150 Jahre nach Charles Darwins "Entstehung der Arten" so kontrovers diskutiert? An Schauplätzen in Deutschland, Nordamerika und dem Vatikan, beleuchten wir die aktuelle Diskussion pro und contra Evolution, sprechen mit Evolutionsgegnern, Wissenschaftlern und Theologen."
> zum Beitrag

Der Film ist außerdem, in drei Teilen, in youtube abrufbar. Siehe nachfolgende Verlinkungen:

Teil 1:



Teil 2:



Teil 3:



Wer also nicht auf der Podiumsdiskussion zwischen Wissenschaftlern und Kreationisten in Stuttgart dabei war und dennoch wissen will, wie Kreationisten argumentieren, sollte sich diesen Film ansehen.
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Und hier noch ein weiterer TV-Tipp, ebenfalls auf planet-schule.de hinterlegt:
Darwins Erben, gesendet wiederum auf SWR und WDR zwischen 12.11. und 2.12.2009:

Anmoderation aus www.planet-schule.de:
"Charles Darwin, eine Ikone der Wissenschaft, ist längst ein Fall fürs Museum. 200 Jahre nach seinem Geburtstag und 150 Jahre nach seinem Werk über die "Entstehung der Arten" machen sich zwei Forscher aus dem Naturkundemuseum in Berlin auf die Spuren seiner Arbeit. Auf Sulawesi -eine der vielen Inseln Indonesiens - versuchen sie herauszufinden, wie einzelne Tier- und Pflanzenarten entstehen. Der 30-minütige Film zeigt an Beispielen die teilweise mühselige Arbeit der Wissenschaftler und ermöglicht so einen Einblick in aktuelle Forschung. Dabei werden die einzelnen Sequenzen filmisch immer wieder verwoben mit Darwins seinerzeit bahnbrechenden Erkenntnissen."
>> zum Film



Viel Spaß,

Ihr
Reinhold Leinfelder

Donnerstag, 26. November 2009

Design ohne Designer? Ein Bericht zu einer Podiumsdiskussion

Gastbeitrag von Hansjörg Hemminger:

Podiumsdiskussion „Design ohne Designer?“ am 24. November 2009 im Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart

Bericht: Hansjörg Hemminger

Die Podiumsdiskussion im Stuttgarter Schloss Rosenstein 150 Jahre nach Erscheinen von Darwins Hauptwerk „On the Origin of Species…“ hatte einen passenden Rahmen. Dort befindet sich die Ausstellung „Der Fluss des Lebens“, in der Darwins Werk und die heutige Evolutionstheorie vorgestellt werden [1]. Unter dem an der Decke aufgehängten Modell eines Finnwals versammelten sich neun Diskutanten und mehrere hundert Zuhörerinnen und Zuhörer, für die der Saal schnell zu klein wurde. Professor Martin Blum (Universität Hohenheim) eröffnete die Diskussion mit einem Überblick über die Erfolgsgeschichte der Evolutionstheorie seit Darwin und stellte klar, dass er (anders als die Vertreter eines „intelligenten Designs“ und einige darwinistische Extremisten) diese Geschichte nicht als einen Angriff auf religiöse Überzeugungen wahrnehmen könne. Er zitierte den Christen und ehemaligen Leiter den „Human Genome Projects“ Francis Collins mit dem Wort, dass es keine seriösen biologischen Forscher mehr gebe, die Zweifel an der Evolutionstheorie hätten. Für „intelligentes Design“ (ID) eröffnete Dr. Douglas Axe vom „Biologic Institute“, das Teil des „Discovery Institutes“ in Seattle ist, die Debatte. Er berief sich auf die nach seiner Ansicht bewiesene Tatsache, dass „funktionale Information“ ein Merkmal des Lebens sei, und dass funktionale Information nur von Intelligenz produziert werde. Dieses Argument entwickelte er während der Diskussion weiter, ohne auf Gegenargumente zu antworten oder sie auch nur zu beachten. Dabei stützte er sich auf ein Werk von Stephen C. Meyer, dem Mitgründer des Discovery Institutes: Signature in the Cell - DNA and the Evidence for Intelligent Design (2009). Auch in der folgenden Diskussion war lediglich „intelligent design“ Gegenstand, der Kurzzeit-Kreationismus wurde nicht angesprochen, obwohl mit Dr. Reinhard Junker von „Wort und Wissen“ ein Vertreter auf dem Podium saß. Junker nutzte die Chance, die ihm das Ausbleiben kritischer Fragen nach der Position von „Wort und Wissen“ bot, und äußerte sich vor allem zu Fachthemen, indem er für ein „intelligentes Design“ der Bakterienflagelle argumentierte und die so genannte „kambrische Explosion“ in der Paläontologie als ein Problem für die Evolutionstheorie darstellte. Ausgerechnet er, der eigentlich kein Vertreter des ID ist, ließ als Einziger erkennen, dass er wissenschaftliche Gegenargumente wahrnimmt und sie zu bearbeiten sucht. Auch sein Detailwissen hob sich von den Allgemeinheiten ab, die ansonsten für ID ins Feld geführt wurden, machte seine Beiträge für das Publikum aber schwer verständlich. Der Genetiker Dr. Wolf-Ekkehard Lönnig wiederholte demgegenüber lediglich die Argumente für ID, die er in großer Breite im Internet anbietet. Da er oberflächlich an die Evolutionstheorie anknüpft, ohne wirklich auf sie einzugehen, wirkte er von allen Vertretern des ID am plausibelsten auf das nur zum Teil fachkundige Publikum. Sein besonderer Stil ist das Aneinanderreihen von scheinbar beweiskräftigen Zitaten. Was in einem langen Internet-Text überzogen oder sogar lächerlich wirkt, nämlich ein „Beweis durch Autorität“, kam in Stuttgart gut an – schon deswegen, weil niemand nachprüfen konnte, was die zitierten Autoritäten (darunter Charles Darwin selbst) gesagt hatten oder hatten sagen wollen. Lönnig dominierte die ID-Seite der Debatte, auch weil Markus Rammerstorfer (Linz) nicht viel beizutragen hatte. Obwohl der Moderator Stefan Zibulla ihm eine unfreiwillige Steilvorlage lieferte, indem er den menschlichen Blinddarm als Beispiel für Dysteleologie (Flickschusterei, unintelligentes Design von Merkmalen) einführte, entwickelte Rammerstorfer kein eigenes Argument. Seine Entgegnung lief darauf hinaus, dass man wie im Fall des Blinddarms (der in der Tat eine Funktion in der Immunabwehr und bei der Erhaltung der Darmflora hat) irgendwann schon einsehen werde, dass das scheinbar Unzweckmäßige an vielen biologischen Merkmalen doch funktional sei. Danach verschwand er aus der Debatte. Die wurde auf wissenschaftlicher Seite von dem Bemühen bestimmt, die Leistungen und die verbliebenen Fragen der Forschung fair darzustellen. Dr. Jürgen Kriwet behandelte das Thema der chemischen Evolution, also den Übergang von abiotischen zu biotischen Strukturen, mit der Schilderung der zahlreichen Modelle, die es dafür inzwischen gibt, aber auch mit einem Hinweis auf die schwache Datenlage, was die tatsächlichen Randbedingungen der chemischen Evolution auf der frühen Erde angeht. Dr. Michael Maisch schilderte die Methodik der Paläontologie am Beispiel der kambrischen Radiation, die Schwierigkeiten ebenso wie die großen Erfolge seit Darwins Zeit. Er betonte, dass Darwins Problem der fehlenden „missing links“ längst keines mehr sei und erwähnte – unter dem Modell des Finnwals sitzend – als Beispiel die nahezu vollständig fossil belegte Evolution der Wale. Danach äußerte sich Professor Martin Blum zu den eindrucksvollen Erfolgen der evolutionären Entwicklungsbiologie (Evo-Devo) und griff das Beispiel der Lichtsinnesorgane auf, deren Entwicklung im gesamten Tierreich und darüber hinaus von einer homologen genetischen Regulation abhängt.

Es war typisch für die Diskussion, dass weder die geschilderten Fortschritte der Paläontologie, noch die der kausalen Evolutionstheorie an den Argumenten für ID etwas änderten. Das Kameraauge wird seit Darwin als ein klassisches Beispiel für komplexe Funktionalität in der Biologie und als Argument für „Design“ benutzt. Dass wir heute relativ gut wissen, wie selbst das Linsenauge der Säugetiere durch zunehmend komplexe ontogenetische Prozesse in der Evolution zustande kam, entkräftet die Kritik angeblich nicht. Dann hat der „Designer“, so die Taktik, eben denselben entwicklungsgenetischen Werkzeugkasten immer wieder dafür benutzt, Augen zu konstruieren. Ebenso ändern immer neue, paläontologisch hervorragend belegte Evolutionslinien nichts an dem Argument, ein „Designer“ habe dabei die Hand im Spiel. Dr. Hansjörg Hemminger griff das ID-Standardargument der nichtreduzierbaren Komplexität (zum Beispiel der Bakteriengeißel) auf. Sie besteht aus mehreren Elementen, die alle vorhanden sein müssen, damit die Funktion nicht ausfällt. Dass jedoch die fertige Struktur auf alle funktionalen Elemente angewiesen ist, sagt nichts darüber aus, wie sie zustande kam. Man muss den Prozess kennen, durch den die Geißel entstand, um etwas über dessen Wahrscheinlichkeit sagen zu können. Modelle dafür gibt es bereits [2]. Der Trick der ID-Literatur besteht darin, einen unwahrscheinlichen Prozess so darzustellen, als sei er der einzig mögliche, und ihn dann zu widerlegen. Dr. Axe demonstrierte diesen Trick unfreiwillig, indem er berichtete, dass man in seinem Institut die menschliche Sprache als Modell dafür benutze, „funktionale Information“ im Genom zu messen. Abgesehen davon, dass er eine Definition dieser Art Information schuldig blieb, und für seine quantitativen Aussagen Bits benutzte, die sicherlich nichts Funktionales messen, ist die menschliche Sprache aus vielen Gründen ein denkbar schlechtes Modell für genetische Information. Sie ist weit weniger redundant als das Genom, sie ist viel lage- und kontextspezifischer, und ungerichtete Änderungen sind fast nie bedeutungsneutral. Im Genom höherer Lebewesen ist das jedoch die große Mehrheit. Kein Wunder, dass man mit dieser falschen Analogie zu falschen Ergebnissen kommt. Aber Dr. Axe demonstrierte auch, dass es dem Discovery Institute auf Wissenschaft nicht ankommt. Seine Argumente sind pure Scheinwissenschaft, sie dienen dem medialen und politischen Schaulaufen, sie sind Waffen im Kulturkampf der USA zwischen „Liberals“ und „Conservatives“. Zum Glück, so muss man sagen, wirkten sie deshalb in Schloss Rosenstein belanglos.

Zurück zur Naturwissenschaft: Dr. Mike Thiv nahm aus der Sicht eines Botanikers zur Frage der Dysteleologie Stellung, und zum Schluss äußerte sich nochmals Dr. Hansjörg Hemminger zur Grundsatzfrage des „methodischen Naturalismus“. Dieser beruht auf dreiGrundannahmen über die Natur, nämlich dass es überhaupt eine Realität der Natur außerhalb unseres Bewusstseins gibt (hypothetischer Realismus), dass in ihr regelhafte Beziehungen von Ursache und Wirkung herrschen (kausale Ordnung), und dass diese Ordnung in Raum und Zeit überall gilt, also keine räumlichen und zeitlichen Grenzen hat (Kontinuität). Diese Grundannahmen sind nicht naturwissenschaftlich beweisbar, sie sind die Voraussetzung jedes Beweises und deshalb so etwas wie eine „minimalistische Metaphysik“. Diese ist aber alles andere als willkürlich. Deswegen ist es ein Missgriff, metaphysische Erklärungen für das Wesen der Welt in eine biologische Theorie einbauen zu wollen. Der „intelligente Designer“ von außen ist ein solcher Missgriff. Damit wird die Naturwissenschaft nicht erweitert, sondern verhindert. Sie verliert die methodische und logische Grundlage und damit ihre Konsensfähigkeit. Dem widersprach besonders Dr. Wolf-Ekkehard Lönnig vehement und bezeichnete es als ideologische Einengung des Denkens, wenn man Intelligenz als Ursache biologischer Phänomene ausschließen wolle. An diesem Punkt zeigte sich die Schwierigkeit besonders deutlich, komplizierte Sachfragen mit streng kontrollierten Minuten-Statements auf einem so großen Podium abzuhandeln. Es war zwar möglich, Lönnig zu entgegnen, dass nicht die Ursache „Intelligenz“ an sich ausgeschlossen werde, sondern die transzendente, supranaturale Intelligenz, und auch nicht aus dem Weltbild, sondern lediglich aus der biologischen Theorienbildung. Aber dieser zentrale Kritikpunkt an ID ließ sich nicht wirklich entfalten, obwohl Professor Martin Blum pointiert darauf hinwies, dass eine immanente Intelligenz als Faktor der kausalen Evolution selbstverständlich berücksichtigt würde, sollten die ID-Vertreter irgendwann eine Hypothese vorbringen, wo und wie man diese Intelligent bzw. ihre Effekte empirisch zu untersuchen habe. Ohne eine solche Hypothese sei die ID-Vorstellung wissenschaftlich leer, und alle Beweise aus Nichtwissen, um die sich ID bemühe, gingen ins Leere. Verständlicherweise behaupteten alle ID-Vertreter, ihr Ansatz sei wissenschaftlich fruchtbar, konnten aber außerhalb ihrer Kritik an evolutionsbiologischen Modellen nicht einmal den Anschein eigener Modelle vorweisen.

Das Fazit der Veranstaltung war für den Berichterstatter zwiespältig: Positiv ist hervorzuheben, dass der Ton sachlich blieb, und persönliche Angriffe vermieden wurden. Nur Dr. Wolf-Ekkehard Lönnig fiel mit der Behauptung auf, es habe Störungs- und Verhinderungsversuche von Evolutionisten und Atheisten gegeben. Dem widersprach die Direktorin des Museums, Frau Professor Eder: Es habe zwar Kritik an der Veranstaltung im Internet gegeben. Aber dass jemand eine kritische Meinung habe, auch wenn sie sachlich unfundiert sei, sei weder eine Störung noch ein Verhinderungsversuch. Damit war auch dieser Ausrutscher in Richtung Verschwörungsdenken erledigt. Es hätte auch keinen Grund gegeben, den Auftritt der Befürworter eines „intelligenten Designs“ zu verhindern. Die wissenschaftlichen Gegenargumente wurden überzeugend vorgebracht, und für Personen mit Sachkenntnis gab es einige Erkenntnisgewinne. Subjektiv sah es nach einem Punktsieg für die Wissenschaft aus, aber diese Effekte hingen von den Vorannahmen der Zuhörerinnen und Zuhörer ab. Der Mut der Veranstalter ist jedoch an sich sehr anerkennenswert. Immerhin kann man nun nicht sagen, die Kritiker hätten im Darwin-Jahr gar keine Gelegenheit bekommen, sich öffentlich zu äußern. Auf der anderen Seite ließ sich die Attraktivität der Pseudowissenschaft „intelligent design“ in einem solchen Rahmen kaum diskutieren, und wohl gar nicht abbauen. Sie beruht nicht auf wissenschaftlichen, eigentlich auch nicht auf philosophischen oder theologischen, Argumenten, sondern auf dem Wunsch nach einem geschlossenen Weltbild, das Sicherheit vermittelt. Und dieser Wunsch ist naturwissenschaftlich in der Form einer Debatte kaum reflektierbar.
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[1] Ausstellungsband s. Ulrich Schmid, Günter Bechly (Hg.): Evolution – Der Fluss des Lebens, Staatliches Museum für Naturkunde; Stuttgart 2009 [2] S. dazu Johannes Sikorski: Die bakterielle Flagelle – Stand der Forschung zu molekularem Aufbau, Diversität und Evolution, in: Martin Neukamm (Hg.): Evolution im Fadenkreuz des Kreationismus, Göttingen 2009 262-301

[2] S. dazu Johannes Sikorski: Die bakterielle Flagelle – Stand der Forschung zu molekularem Aufbau, Diversität und Evolution, in: Martin Neukamm (Hg.): Evolution im Fadenkreuz des Kreationismus, Göttingen 2009 262-301

Abbildung: Wissenschaftliche Erklärung des Flagellenmotors, ein entkräftetes Paradebeispiel der Intelligent-Design-Kreationisten. Modell in der aktuellen Sonderausstellung "Evolution - Der Fluss des Lebens" im Stuttgarter Naturkundemuseum.

Kurzbiografie:
Dr. Hansjörg Hemminger studierte Biologie im Hauptfach und Psychologie im Nebenfach an den Universitäten Tübingen und Freiburg. Er habilitierte sich an der Universität Freiburg/Br. im Fach „Verhaltensbiologie des Menschen“. In den Jahren 1984 bis 1996 war er wissenschaftlicher Referent bei der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW) in Stuttgart, einem Institut der Evangelischen Kirche in Deutschland. Seit März 1997 ist er Beauftragter für Weltanschauungsfragen der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Außerdem war Hansjörg Hemminger Mitglied der Enquète-Kommission „Sogenannte Sekten und Psychogruppen“ des 13. Deutschen Bundestags. Er publizierte zahlreiche Artikel und Bücher zu religionspsychologischen Themen und zu Fragen der Beziehung von Theologie und Naturwissenschaft, darunter „Was ist eine Sekte?“, „Aberglauben“ und „Grundwissen Religionspsychologie“; 2009 erschien „Und Gott schuf Darwins Welt“, eine Auseinandersetzung mit Kreationismus und „intelligentem Design“. Im ebenfalls 2009 erschienenen Buch "Evolution im Fadenkreuz des Kreationismus" (Hrsg. Martin Neukamm) finden sich zwei weitere Beiträge von Hansjörg Hemminger.

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Die Durchführung einer Podiumsdiskussion zwischen Naturwissenschaftlern und Kreationisten an einem staatlichen Naturkundemuseum wurde von Andreas Müller, Mitglied der Giordano-Bruno-Stiftung sowie Redakteur des sog. Darwin-Jahr-Komitees unter dem Titel "Kreationisten im Naturkundemuseum" kritisiert. Eine Reaktion des dort kritisierten Reinhold Leinfelder findet sich in diesem Blog unter dem Titel "Das Darwin-Jahr-Komitée jagt Naturkundemuseen?"
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Mittwoch, 4. November 2009

Das "Darwin-Jahr-Komitee" jagt Naturkundemuseen?

von Reinhold Leinfelder

Schade, gerade wollte ich einen Beitrag des mit Kürzel AM redaktionell verantworteten Evo-Magazins mal loben, schon passiert da folgendes:

In seiner Presseschau vom 30.10.09 für die Website "Evolution ist überall!" sieht AM schon wieder ein deutsches Naturkundemuseum, gar noch ein staatliches von Kreationisten unterwandert ("Kreationisten im staatlichen Naturkundemuseum" ). Und das wird gleich noch garniert damit, dass das Museum auch noch zu dem von Reinhold Leinfelder (also mir) geleiteten DNFS-Konsortium gehört, und dass ich diese Kreationistenunterwanderung offenbar gut leiden könne. Dies natürlich ganz im Gegenteil zum Eingehen auf weltanschauliche Konsequenzen der Giordano Bruno-Stiftung und der AG Evolutionsbiologie durch die Evolutionstheorie (AM ist Mitglied der Giordano Bruno-Stiftung). Das kann ich ja wohl gar nicht ab, denn ich hätte ihnen (gemeint ist wohl ein sog. Darwin-Jahr Komitee, welches die "Evolution ist überall"-Webseite betreibt) auch noch untersagt, auf Veranstaltungen in Museen der DNFS hinzuweisen. Und damit die Katastrophe auch noch perfekt ist, weist AM auf eine weitere Unglaublichkeit hin, eine Arche Noah im Naturkundemuseum in Düsseldorf, angeblich ein weiterer großer Hit für die Sechs-Tage-Theoretiker.


Die Evolution der Gliedmaßen der Wirbeltiere vom Fisch zum Amphibium, aus der Stuttgarter Evolutionsausstellung "Der Fluss des Lebens"


Gut, dass wir derart kritischen Webjournalismus haben, der auf solche Skandale hinweist. Aber eine kurze Stellungnahme, ähm, auch ein bisschen Korrektur, sei gestattet:

1) die erwähnte Arche Noah steht nicht wie behauptet im Naturkundemuseum in Düsseldorf, sondern in Erfurt. Unter dem angegebenen Link zum Naturkundemuseum Düsseldorf verbirgt sich ein Link zu einer weiteren heißen Reportage von AMs Presseschau, diesmal vom 22.10. Dort wird allerdings vom Naturkundemuseum Erfurt berichtet. Oops, AM. Aber wollen wir mal nicht so sein, dann eben die Erfurter: sie haben "sich entschlossen, die Artenvielfalt ausgerechnet mit Hilfe der Arche Noah und ihrer tierischen Bewohner" zu erklären. "Gäbe es einen Preis für schlechte Ideen", wüsste AM den Erstplatzierten. Schön. Und erst mal danke für den Hinweis - diese Ausstellung kannte ich nämlich noch gar nicht.

Sieht man nun ganz weltanschaulich verstört auf der Seite des Naturkundemuseums Erfurt nach, wird dort deutlich zum Ausdruck gebracht, dass die Arche Noah ein Symbol für die Bewahrung der Artenvielfalt darstellen soll. Überlesen hat AM allerdings offensichtlich folgendes auf der Website: " Unter der Schiffsbrücke erzählt die Schiffsratte Rainer den kleinen Besuchern die Geschichte der Arche Noah: "Wie es wirklich war!""

Die Fotos der Erfurter Ausstellung zeigen, dass die Anordnung der Objekte innerhalb der Arche Noah nach biogeographischen Regionen (z.B. Neotropis, Äthiopis) vorgenommen wurde, ganz schön wissenschaftlich, sogar bis in die Antarktis ist die Arche Noah vorgestoßen. Das Ganze erscheint mir also in etwa so viel Arche Noah wie auch die Beagle Arche Noah war. Ob man die Arche-Idee nun gut findet oder nicht, kann ja jeder selbst entscheiden, aber was das Verwenden von Metaphern oder Symbolen mit Kreationismus zu tun hat, muss mir erst mal jemand erklären. Ach so, Begriffe wie Arche Noah oder Schöpfung outen einen als Kreationisten? Ja, dann. Auch die Bundesregierung ist dann also komplett kreationistisch. Denn bei dem Ministersegment des UN-Biodiversitätsgipfels setzte die Bundeskanzlerin einen "Meilenstein für die Bewahrung der Schöpfung", indem sie für 2009-2012 zusätzliche 500 Mio. Euro für den weltweiten Schutz der Wälder und Ökosysteme versprochen hat, danach soll es jährlich jeweils eine halbe Milliarde werden (siehe Pressemeldung). AM, wie wäre es mit dieser Schlagzeile "Bundesregierung fördert kreationistisches Gedankengut mit mehreren Milliarden Euro". Ach so, das war die CDU-Kanzlerin. CDU hat ja schon mit dem C im Namen zugegeben kreationistisch zu sein, nicht wahr? Genau, denn die SPD hat diese Meilenstein-These ja auch kräftig kritisiert, etwa in dieser Meldung. Aber Mist, dort wurde nur kritisiert, dass man mehr tun müsse, um die Schöpfung zu bewahren, denn auch hier steht: "Noch haben wir die Möglichkeit, an der Bewahrung der Schöpfung politisch mitzuwirken. Je länger wir zögern, desto teurer und schwieriger wird der Klimaschutz." Und bei den Grünen sieht es auch nicht besser aus, die wollen auch "Die Schöpfung bewahren". Alles Kreationisten, quer durch die Naturkundemuseen, quer durch die Parteien. Armes Deutschland, Katastrophe, lamentando. Oder hat das mit den Metaphern vielleicht doch eine andere Bedeutung? Ich biete mal meine Lieblings-Arche-Noah (Cartoon oben) zur Diskussion an.

2) Ja, die Info zum Begleitprogramm der Stuttgarter Evolutionsausstellung scheint richtig zu sein, wie eine Nachfrage meinerseits ergab. Hervorragende Recherche, denn die Namen der teilnehmenden Kreationisten stehen offensichtlich noch nirgendwo. Auf der Webseite des Museums steht bislang nur, dass am 24.11.09, also dem Tag der Erstveröffentlichung von Darwins "On the Origin of Species" ein Evolution Day im Museum stattfindet, mit folgendem Abendprogramm: "18 h Design ohne Designer? Eine hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion zwischen Evolutionsbiologen und Darwinkritikern". Mir sind inzwischen auch die Namen nicht nur der Kreationisten, sondern auch der Wissenschaftler bekannt, die an der Diskussionsrunde teilnehmen und ich bin sicher, es wird spannend.

Auch hier ist natürlich jedem Museum freigestellt, ob es mit Kreationisten diskutiert oder nicht, auf die Stufe von Wissenschaft werden Kreationisten durch eine derartige Diskussion deswegen noch lange nicht gestellt. Wenn ich mit einem Politiker diskutiere, werde ich selbst nicht zu einem und umgekehrt er nicht zu einem Wissenschaftler, und wenn ich mit einem Theologen diskutiere mutieren mich geheime Kräfte auch nicht zu einem Pfarrer. Dem Museum und auch mir (die Museen sind auch innerhalb von Konsortien unabhängig) jedoch zu unterstellen, dass wir die Auftritte von Kreationisten gut leiden können? Sollte ich versucht sein, von Creationism Delusion zu sprechen? OK, lassen wir das. Aber statt dessen der dringende Appell: schauen Sie sich doch mal die Stuttgarter Evolutionsausstellung an, um die es ja insbesondere geht. Kaum ein anderes Haus hat sich derart viel Mühe gemacht, sich gegen Kreationismus zu positionieren. Da wird der Flagellenmotor an einem sehr guten Objekt erklärt und die pfiffige "Kreationismus-Waage" ist auch klasse. Trotz immenser Füllung mit Kreationismusbüchern senkt sich die Waagschale auf der Seite, auf der zwei Darwin-Bücher liegen. Kreationismus hat keine Chance, die Wissenschaft zu diskreditieren. Prädikat sehenswert! Und ansonsten: die DNFS, also dieses erwähnte Konsortium hat zum Beginn des Darwin-Jahrs ein gemeinsames Positionspapier gegen Kreationismus publiziert, gibt's auch auf diesem Blog nachzulesen. Und dass ich selbst gerne mit Kreationisten kuschle, wird wirklich zum allerersten Mal impliziert, Teile meiner Stellungnahmen gegen Kreationismus sind hier aufgelistet.

Abbildungen: oben: Nicht die Arche Noah, sondern ein Beagle-Nachbau ziert die Stuttgarter Evolutionsausstellung.
darunter: Wissenschaftliche Erklärung des Flagellenmotors, ein entkräftetes Paradebeispiel der Intelligent-Design-Kreationisten. Modell im Stuttgarter Naturkundemuseum.


Abb. Kreationismus versus Evolutionswissenschaften. Auch noch so viel kreationistisches Papier (links) kann fundamentale evolutionsbiologische Arbeiten wie die von Charles Darwin (rechts: Die Entstehung der Arten sowie Die Abstammung des Menschen) nicht aufwiegen. Installation gegen Kreationismus in der Evolutionsausstellung des Stuttgarter Naturkundemuseums.

3) Als angeblichen Beleg dafür, dass ich es nicht leiden kann, dass die Giordano Bruno Stiftung und die AG Evolutionsbiologie "auch auf die weltanschaulichen Konsequenzen der Evolutionstheorie eingehen" wird ein Link zu meinem Blogeintrag "Instrumentalisierung von Darwin durch religionskritische Stiftung?" geschaltet. Also was kann ich nicht leiden? Genau: Instrumentalisierung. Das hat Darwin nicht verdient. Ich habe mit vielen Kollegen, die in der AG Evolutionsbiologie oder auch in der Giordano Bruno Stiftung aktiv sind, überhaupt keine Probleme, sondern kooperiere teilweise mit ihnen. Ich wage auch zu bezweifeln, dass dieser Presseschaueintrag von AM wirklich auch im Namen der AG Evolutionsbiologie geschrieben wurde. Weltanschauliche Konsequenzen sollen nach meiner Meinung nicht diskutiert werden? Die Beiträge in diesem Blog sind voll von Diskussionen dazu. Die Frage, die ich aufwerfe ist nur, ob zusätzlich zu unserem naturwissenschaftlichen Weltbild, welches sich auf Darwin und andere Wissenschaftler begründet, jeder auch darüber hinaus verpflichtend eine allgemeingültige Weltanschauung adoptieren muss oder ob bei weltanschaulichen Fragen nicht jeder selbst für seine Anschauung verantwortlich sein sollte. Ich hab nichts gegen Diskussionen oder Anführen von Argumenten zum Überzeugen anderer, nur gegen Missionarisches, von welcher Seite auch immer, hab ich was.

4) Ich hätte untersagt, auf Veranstaltungen der DNFS-Museen im Kalender von "Evolution ist überall" hinzuweisen. Die DNFS betreibt einen eigenen Kalender und nimmt dort nur Termine auf, wenn wir darum gebeten werden. Keiner soll sich von der DNFS instrumentalisiert fühlen. Umgekehrt gibt es ebenfalls Regeln, etwa Bilder zu übernehmen, ungefragt sollte dies nicht passieren. Ob wir mit der Befürchtung, dass wir ggf. für Zwecke außerhalb der Naturwissenschaft instrumentalisiert werden könnten, richtig lagen, kann ja jeder Leser - ggf. auch unter Berücksichtigung dieses Eintrags - für sich selbst entscheiden.

5) Ach so, ich wollte ja auch loben. Klar, wird nicht vergessen, denn wir können doch Dinge auseinanderhalten. Nun ganz ehrlich: Vielen Dank für den Artikel zur Kampagne "Kreationisten aller Länder vereinigt Euch". Das ist ja wirklich nochmals ein Versuch, geballt die Wissenschaft in Misskredit zu bringen. Tatsächlich sollte man die ProGenesis-Kreationisten weiter im Auge behalten. (Dieser Artikel ist mit Darwin-Jahr-Komitee unterschrieben).

Ein Vorschlag zur Güte an AM: berichten wir doch weiter möglichst Interessantes und Erwähnenswertes rund ums Darwin-Jahr und lassen Unterstellungen einfach weg. Einverstanden?

Ihr
Reinhold Leinfelder

Die Ausstellung "Der Fluss des Lebens. 150 Jahre Evolutionstheorie am Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart (Schloss Rosenstein) ist noch bis Mai 2010 geöffnet. Weitere Informationeun unter www.evolution2009.de

Abbildung ganz oben aus scienceblogs.com
Der Arche Noah-Cartoon stammt von bruxelles.blogs.liberation.fr
(exakt: http://bruxelles.blogs.liberation.fr/coulisses/2009/02/prix-européen-du-dessin-de-presse.html )
Weitere Abbildungen von R. Leinfelder, aus Staatlichem Museum für Naturkunde Stuttgart, mit Genehmigung verwendet.

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Nachtrag vom 5.11.09: kleiner Hinweis: AM hat die falsche Linkbezeichnung (Link zu Beitrag zu Erfurter Naturkundemuseum war fälschlicherweise als Beitrag zum Düsseldorfer Naturkundemuseum bezeichnet) nun geändert.
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Sonntag, 5. Juli 2009

Südkurier gibt geldsammelnden Kreationisten ein Forum

Der SÜDKURIER ist laut Wikipedia-Eintrag regionale Tageszeitung für die Regionen nordwestlicher Bodensee, Hochrhein und Schwarzwald mit Sitz in Konstanz. Das Blatt erscheint sechs Mal pro Woche. Vorgänger des Südkurier war die Konstanzer Zeitung. Er erscheint in 16 verschiedenen lokalen Ausgaben in den Regionen Bodensee, Schwarzwald und Hochrhein. Die tägliche Auflage liegt bei rund 150.000 Exemplaren, daneben gibt es ein umfassendes Online-Angebot. Seit 1990 gehört der SÜDKURIER zur Holtzbrinck-Verlagsgruppe, welche u.a. DAS HANDELSBLATT, DIE ZEIT und den TAGESSPIEGEL publiziert, zu der aber auch Wissenschaftsverlage, wie Spektrum der Wissenschaft, Scientific American sowie Nature gehören.
(siehe hier)

Nichtsdestoweniger bietet die Holtzbrinck-Gruppe, vermutlich ohne sich dessen bewusst zu sein via des SÜDKURIERS kostenlose Propaganda für Kreationisten und viel Geld erbettelnde kreationistische Freikirchen. So schreibt in der (online)-Ausgabe vom 4.7.2009 ein Pastor Jürgen Martini aus Ilmensee zum Thema: "In der Verbundenheit mit Gott verliert der Tod seinen Schrecken". Hinter diesem religiösen Thema werden die absonderlichen Thesen des Prof. Werner Gitt, einem Informatiker und bekannten, bibeltreuen Kurzzeit-Kreationisten (wir berichteten in diesem Blog bereits über ihn) recht detailliert vorgestellt. Hieraus einige Auszüge (Hervorhebung zur Kenntlichmachung):

"Weil es nicht einfach ist, die Frage nach dem Leid zu beantworten, haben viele Menschen Probleme, an einen liebenden Gott zu glauben. Andere nehmen dies als Vorwand Gott radikal abzulehnen. Zu diesem Thema beleuchtet der bekannte Vertreter des Kreationismus, Professor Werner Gitt, verschiedene Ansätze. Einmal nennt er die Philosophie: „Die Philosophie lässt nur bestimmte Methoden und Modelle zu, und diese greifen bei der Frage nach Tod und Leid zu kurz; sie kennt göttliche Offenbarung nicht.“ ....

Als nächstes nennt Gitt die Theologie, von der wir klassischerweise eine Antwort erwarten würden. Doch die moderne Theologie versucht die Bibel als Gottes Wort und Offenbarung mit sogenannten wissenschaftlichen Methoden in Frage zu stellen. Sie versperrt dadurch den biblischen Lösungsweg.

An dritter Stelle führt Gitt die Evolution an. Im Weltbild der Evolution sind Leid und Tod unsere Verbündete bei der „Schaffung“ von Leben. Wir finden also auf menschlichem Wege keine Antwort auf unsere Frage.

Ausschließlich das Wort Gottes gibt uns hierfür eine klare Antwort. Voraussetzung ist jedoch, dass wir die Bibel als Wort und Offenbarung Gottes sehen und im Glauben annehmen. Der biblische Befund zum Thema lautet: Gott schuf den Menschen als Krönung der Schöpfung, nachdem er Himmel und Erde, das Universum, die Pflanzen und Tiere in ihrer Artenvielfalt geschaffen hatte. .... (
> ganzen Artikel lesen)

> weitere Infos zu Werner Gitt auf diesem Blog

Autor Pfarrer Jürgen Martini leitet die "Freie Christengemeinde Illmensee" (siehe hier), die dem Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden angeschlossen ist. In der Rubrik "Das glauben wir" findet sich auf den Webseiten der FCG Ilmensee u.a. folgende Aussage: "
Wir glauben, dass die Aussagen der Bibel wahr sind, das sie das von Gott inspirierte Wort und einzige Leitlinie für die Menschheit ist."

Dazu sind natürlich die Aussagen von Gitt sehr passend. Unter der Rubrik "Wie wir uns finanzieren" findet sich auf der FCG-I-Webseite folgender Hinweis: "Wir glauben gemäß der Bibel (Maleachi 3,10), dass der zehnte Teil unseres Einkommens in die Gemeinde gehört. D.h., dass in der Regel jeder Christ den zehnten Teil in die Gemeinde geben sollte. Das weiß aber nur der Kassenwart (und natürlich Gott :-), so dass niemand unter Druck geraten muss." Der letzte Satz ist ja nun sehr sozial verträglich (oder ist der Hinweis auf den Kassenwart doch vielleicht anders zu verstehen ;-) . Jedenfalls hat die bibeltreue Gläubigkeit durchaus ihren Preis, biblisch festgelegt...

Das ganze ist doch ein schönes Beispiel, wie man sich gegenseitig hilft - Die freikirchliche Pfingstgemeinde betont die Bedeutung der wörtlichen Auslegung der Bibel, dies wird vom Evolutions-Pseudowissenschaftler sozusagen "wissenschaftlich" bestätigt, was wiederum das biblische Gebot der umfassenden Geldabgabe ausgezeichnet untermauert.

Hierzu noch ein kleines Fundstück, falls Sie Probleme haben den 10. zu geben, wird Ihnen hier geholfen: http://www.gibgottdenzehnten.de

Falls Sie da billig wegkommen wollen, und netto statt brutto geben wollen, wird Ihnen dies schnell ausgetrieben (Sie können ja alles von der Steuer absetzen):
"Wir empfehlen Einsteigern das zu versteuernde Einkommen als Bemessungsgrundlage Ihres Zehnten:
1. Es ist eindeutig definiert. Sie finden es auf Ihrem Steuerbescheid und verwenden es als Grundlage für das folgende Jahr.
2. Jesus selbst hat den Staat das Recht zugesprochen Steuern zu erheben. Und wenn der Staat meint bestimmte Härten haben Sie getroffen und Sie deshalb von der Steuer absetzt, dann will der gnädige Gott nicht härter mit Ihnen sein."

Falls das Geld aber wirklich nicht reicht, gibt es folgenden Tipp:
"Wenn Ihr Haushalt wirklich total verplant ist, dann frieren Sie Ihr Gehalt ein. Schreiben Sie sich Ihr jetziges Einkommen an für Sie sichtbarer Stelle auf und geben Sie zukünftige Gehaltserhöhungen zuerst an Gott weiter, bis Sie den Zehnten erreicht haben.
Erzählen Sie anderen davon, sonst vergessen Sie es womöglich wieder..."

Und bei all dem ist nicht zu vergessen:
"Wir dürfen das Prinzip des Zehnten natürlich nicht mißverstehen. Nicht den zehnten Teil unseres Einkommens, unseres Besitzes, unserer Zeit sollten wir Gott zur Verfügung stellen (und die restlichen 90 Prozent für uns behalten!), sondern unser ganzes Leben. Das ist jedenfalls die neutestamentliche Lehre. Wenn Du den "Zehnten" so verstehen solltest, dann laß es lieber sein. Gott will nicht Dein Geld - er will Dein Leben! Aber wenn Du bereit bist, ihm Dein Leben ungeteilt zur Verfügung zu stellen, dann solltest Du auf keinen Fall versäumen, Dich auch auf das Prinzip des "Zehnten" einzulassen. Damit wirst Du eine weitere geistliche Energiequelle anzapfen, die Dir und Deiner Umgebung unermeßlichen Segen bringen kann."
(aus http://www.gibgottdenzehnten.de)


Da fährt man mit der klassischen Kirchensteuer doch billiger, die auf 8-9% der zu zahlenden Einkommenssteuer (also nicht des Einkommens!) festgelegt ist und auch noch eine sog. Kappungsschwelle beinhaltet, so dass ein konfessioneller Christ auch bei hohem Einkommen max. 2,75 bis 3,5% seines zu versteuernden Einkommens zahlt. Konfessionslos zu sein ist allerdings noch billiger zu haben.

Fazit: Dieser Blogeintrag sollte nicht falsch verstanden werden:
  • Zum einen sollen natürlich Zeitungen möglichst frei über alles berichten und hierzu gerne auch Fremdautoren das Wort erteilen.
  • Zum zweiten soll sich dieser Blog-Beitrag nicht pauschal gegen freikirchliche Gemeinden wenden, auch dort gibt es viele, welche naturwissenschaftliche Kenntnisse akzeptieren.
  • Zum dritten bleibt es jedem unbelassen, sein Geld für caritative, gesellschaftliche, kulturelle, wissenschaftliche oder auch religiöse Zwecke auszugeben, selbst wenn letztere Kreationismus fördern. Mitgliedschaften kosten eben in aller Regel auch Mitgliedsbeiträge.
Wenn allerdings auch im Fall der Finanzierung solcher kreationistischen Evangelikalen Kirchen die Bibel angeblich wörtlich zu nehmen ist oder doch "unermesslicher Segen" gegen Geld versprochen wird, scheint mir das Mittelalter oder sektenhaftes Vorgehen nicht allzu weit entfernt zu sein. Und Zeitungen sind ja zu Recht eigentlich darauf bedacht, sich nicht zum Lobbyisten für spezielle Gruppen zu machen. Für Geldeinsammel-Freikirchen, die hierzu auch noch einen biblischen Kreationismus bemühen, sollte sich deshalb jede Zeitungsredaktion doch recht genau überlegen, ob sie die Protagonisten tatsächlich direkt zu unkommentierten Beiträgen einladen sollte.

Reinhold Leinfelder, 5.7.09 (dieser Artikel gibt ausschließlich die Privatmeinung des Autors wieder).




Kreationismus in den Waldorfschulen?

von Reinhold Leinfelder

Nein, wir wollen nicht unterstellen, dass an Waldorf-Schulen heute Kreationismus gelehrt wird. Aber da es im Darwin-Jahr schließlich auch darum geht, ob an unseren Schulen insgesamt Unwissenschaftliches in den naturwissenschaftlichen Unterricht einfließt bzw. ob Naturwissenschaften fahrlässig mit Weltanschaulichem verknüpft werden, wollen wir zumindest kurz über die immer noch nicht abgeschlossene Diskussion zur weltanschaulichen Ausrichtung der beliebten Waldorfschulen berichten. Anlass ist ein Interview mit einem ehemaligen Waldorf-Lehrer, der von Brights-Deutschland zur Verfügung gestellt wird.

Dieses Interview hat mich doch ziemlich entsetzt, da es die wirklich erschreckende ursprüngliche Weltanschauung des Schulgründers Rudolf Steiners darstellt, die jedoch nun auch schon etwa 100 Jahre alt ist. Die 1909 erstmals näher veröffentlichte Anthroposophie könnte man sogar als Gegenentwurf zu Ernst Haeckels 1874 veröffentlichter Anthropogenie verstehen.

Haeckel postulierte, sich auf Charles Darwin berufend, folgende Evolutionsschritte als Ahnenreihe des Menschen:
I. vom Moner zur Gastraea,
II. vom Urwurm bis zum Schädelthier,
III. vom Urfisch bis zum Amnionthier (=Gruppe aus Reptilien, Vögeln und Säugern) und
IV. Vom Ursäuger bis zum Affen.
Weiterhin beinhaltet Haeckels Buch ein Kapitel, in welchem er die dualistische Auffassung, besonders den Schöpfungsglauben und die Auffassung von einer von den Hirnfunktionen unabhängigen Seele für widerlegt erklärt und den von ihm entwickelten Monismus näher beschreibt. (siehe auch hier)

Konkret sollte Steiners Begriff Anthroposophie jedoch ein Kontrast zur Anthropologie darstellen. Steiner verstand darunter das „Wissen des Geistesmenschen“, welches sich auf alles erstrecke, was dieser in der „geistigen Welt“, d.h. im Übersinnlichen, wahrnehmen könne. Teilweise synonym zu der Bezeichnung „Anthroposophie“ verwendete Steiner auch andere Begriffe wie „Theosophie“, „Geheimwissenschaft“ oder „Geisteswissenschaft“, um seine Lehre und seine „Forschungsmethode“ zu kennzeichnen. Interessanterweise wollte er, wie auch Ernst Haeckel, ebenfalls den Dualismus von „Ich“ und „Welt“ überwinden. Dazu soll soll die Anthroposophie Anleitung zur Selbst- und Welterkenntnis des Menschen zugleich bieten. Dies ist das monistische Programm des anthroposophischen Erkenntnisweges, das – mit Friedrich Nietzsche und Max Stirner – einen freien, individualistisch geprägten Menschen voraussetzt. Diese Spielart des Monismus vereinigt Naturerkenntnis und anthroposophische Geisterkenntnis, indem die Natur und die geistige Welt als Teilbereiche einer Welt betrachtet werden. (z.T. aus Wikipedia, vom 5.7.09, siehe hier)

In der anthroposophischen Weltanschauung Rudolf Steiners sieht diese vereinte Erkenntnis aus Natur- und Geistesbetrachtung allerdings teilweise sehr bedenklich aus. So soll sich "der Indianer" offensichtlich aus Affen, "der Arier" aus Indianern entwickelt haben. Steiner fügt den drei Naturreichen der Mineralien, Pflanzen und Tiere als viertes „Reich“ den Menschen hinzu, der mit seinen drei Leibesgliedern an allen Naturreichen beteiligt ist, aber mit seinem Ich aus der Natur herausragt: Physischer Leib – Ätherleib oder Lebensleib – Astralleib oder Seelenleib – Ich. Derzeit leben wir in einer Postatlantis-Zeit und so geht dies munter weiter. Sollte dies auch heute noch so gelehrt werden, wäre dies nicht dem naturwissenschaftlichen Erkenntnisstand entsprechend, aber wie gesagt, da möchte ich nicht unterstellen. Allerdings berichtete u.a. auch die Süddeutsche Zeitung, dass Steiners "esoterisch-okkulte Weltanschauung" heute "zwar nicht eigens gelehrt, wohl aber angewandt" werde (siehe unten).

Ich bin keinesfalls Spezialist für anthroposophische Weltanschauungen (und will dies auch gar nicht sein), aber, sofern alles korrekt dargestellt, gibt mir dies doch sehr zu denken. Machen Sie sich doch bitte Ihr eigenes Bild, die Brights-Deutschland haben das erwähnte Interview auf ihren Seiten zur Verfügung gestellt, von dem nachfolgend ein Ausschnitt wieder gegeben wird. Danach finden Sie einige weitere Informationen.

Aus dem unter brightsblog.wordpress.com/2009/07/04/waldorfschule-vorsicht-steiner/ verfügbaren Artikel:

"(an Herrn Lichte): "Sie sagten vorhin, dass in Atlantis „die Rassen entstehen“ …
(Herr Lichte): Und nach anthroposophischer Auffassung bis mindestens zum Jahre 3573 bestehen bleiben, dann endet die „Fünfte Nachatlantische Kulturepoche“. „Rassen“ wie „Rassismus“. Das ist nicht meine Privatmeinung, sondern wurde von einer Deutschen Bundesbehörde, der „Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien“ (BPjM) festgestellt, in ihrer Entscheidung zu zwei Büchern Steiners, Zitat: „Der Inhalt des Buches ist nach Ansicht des 12er-Gremiums in Teilen als zum Rassenhass anreizend bzw. als Rassen diskriminierend anzusehen.” Die BPjM nahm eine juristische Bewertung vor, sie konnte nur Textstellen beanstanden, die eindeutig ihren juristischen Kriterien entsprachen. Auch beurteilte sie nicht Steiners Gesamtwerk. Das tut der Historiker Helmut Zander in seinem preisgekrönten Monumental-Werk „Anthroposophie in Deutschland“, Zitat: „Steiner ordnete die Rassen einer Fortschrittsgeschichte zu, in der beispielsweise heutige Indianer als »degenerierte Menschenrasse« im »Hinsterben« (GA 105, 106, 107 [1908]) oder schwarze Afrikaner als defiziente Spezies der Menschen- und Bewusstseinsentwicklung, als »degenerierte«, »zurückgebliebene« Rasse (ebd., 106) erschienen. Umgekehrt habe die weisse Rasse »das Persönlichkeitsgefühl am stärksten ausgebildet« (GA 107, 288 [1909]). Dies sind nur Kernsätze einer Rassentheorie, die Steiner 1904 erstmals formulierte, um sie 1910 in einem komplexen System und in zunehmender Abgrenzung zu theosophischen Positionen auszufalten. Mit seinem Ausstieg aus der Theosophie hat er diese Vorstellungen keinesfalls über Bord geworfen, sondern sie 1923 nochmals in Vortragen vor Arbeitern des Goetheanum in vergröberter, »popularisierter« Form wiederholt, aber ohne Revision im inhaltlichen Bestand. Die weisse war nun »die zukünftige, die am Geiste schaffende Rasse« (GA 349, 67 [1923]). (…)
Steiner formulierte mit seinem theosophischen Sozialdarwinismus eine Ethnologie, in der die Rede von »degenerierten«, »zurückgebliebenen« oder »zukünftigen« Rassen keine »Unfälle«, sondern das Ergebnis einer konsequent durchgedachten Evolutionslehre waren. Ich sehe im Gegensatz zu vielen Anthroposophen keine Möglichkeit, diese Konsequenz zu bestreiten.“
" (Zitat Ende)
(Abb. aus blog.esowatch.com/index.php?itemid=239 )


Interessant ist auch ein Artikel der Süddeutschen Zeitung vom 5.9.2008. Hier schreibt Alexander Kissler u.a.:

""Esoterisch-okkulte Weltanschauung"
Ob aus den possierlichen Steinerschen Porträts der Erdgeister und Erzengel, der "Frostriesen" und "Mondbrüller" ein regulärer Unterrichtstoff an den Waldorfschulen wird, ist umstritten. Wohl jeder Lehrer hat zwar die entsprechenden Kurse durchlaufen. Da die Waldorfschulen aber keinen verbindlichen Lehrplan kennen und da Bücher im Unterricht ungern gesehen werden, stattdessen das Epochenheft mit den Diktaten des Erziehungskünstlers dominiert, steht die Evaluation noch aus. Grandt sieht Grund zur Annahme, die Waldorfschule sei eine "anthroposophische Weltanschauungsschule". Steiners "esoterisch-okkulte Weltanschauung" werde zwar nicht eigens gelehrt, wohl aber angewandt.
Die Waldorfschulen halten dagegen: Zwar liege die Anthroposophie der Pädagogik zugrunde, eine "weltanschauliche Färbung des Unterrichts" ergebe sich daraus jedoch nicht. Doch das baden-württembergische Kultusministerium schreibt im Gegensatz zu den übrigen Bundesländern, "für Waldorfschulen ist der Begriff der 'Weltanschauungsschule' zu bejahen".
...
Nach Josef Kraus, dem Präsidenten des Deutschen Lehrerverbandes, wird hier das Grundgesetz verletzt. Das gesamte Schulwesen stehe laut Artikel 7 unter Aufsicht des Staates, wovon dieser bei den Waldorfschulen aber kaum Gebrauch mache. Mit "wissenschaftlicher Ausbildung, wie sie das Grundgesetz auch von Lehrern an freien Schulen verlangt", habe die anthroposophische Spekulation über Kosmos und Karma wenig zu tun.
Den Eltern ist überlassen, ob sie die Frühgeschichte der Menschheit mit der Sage von Atlantis erklärt wissen wollen, ob sie offen sind für Steiners "goetheanistische Naturwissenschaft", derzufolge der Mensch eine "umgekehrte Pflanze" sei. So hat es der Waldorflehrer gelernt.
Grandts Schwarzbuch stellt trotz unangenehm eitler Töne und miserabler Ausdrucksweise entscheidende Fragen: Wird der anthroposophische Hintergrund der Waldorfschulen hinreichend kommuniziert? Und darf der Staat in wohlwollender Neutralität verharren, wenn private Ersatzschulen einen erzieherischen Sonderweg wählen, der nach Methode und Gehalt weit entfernt ist vom Standard der ihrerseits bedrängten staatlichen Schulen? Vielleicht sollten sich die Waldorfschulen ebenso wie die Kultusministerien einen Rat zu Herzen nehmen: "Gib acht wie ein Wichtelmann", verkündete Steiner 1923 in einem Vortrag. "Der passt auf alles auf, weil er alles kennen muss, alles auffassen muss, um sein Leben zu retten. Er muss immer wachen. Wenn er schläfrig würde, wie die Menschen oftmals schläfrig sind, würde er sogleich an seiner Schläfrigkeit sterben." Evaluation tut not. " (Zitat Ende)
Aus www.sueddeutsche.de/jobkarriere/97/309038/text/2/


Von Interesse könnten auch die Wikipedia-Einträge sein, die jedoch den üblichen Einschränkungen für "Wikis" unterliegen:
Über Prüfung und Auflagen durch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften gibt es u.a. hier mehr:

Eine Erklärung der Waldorfschulen aus dem Jahr 2007 gibt es hier:
Zur Anthrosophie bietet der Bund der Waldorfschulen folgende Einführung

Vielleicht sollten neben des christlichen und islamistischen Kreationismus auch andere, mit Naturwissenschaften komplett inkompatible Pseudowissenschaften bzw. aus angeblicher Naturwissenschaft abgeleitete Weltanschauungen stärker in Augenschein genommen werden. Aber bitte bilden Sie sich selbst Ihr Urteil.

Reinhold Leinfelder, 5.7.09 (mit kleinem Nachtrag vom 10.7.09)

Sind wir denn jetzt alle Kreationisten? Zwei Umfragen zum Kreationismus im Vergleich

von Reinhold Leinfelder

Heinz-Hermann Peitz, promovierter katholischer Theologe und Biologe ist Referent an der katholischen Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart und hier insbesondere für den Dialog zwischen Naturwissenschaft und Theologie zuständig. Dazu betreibt er u.a. das Forum Grenzfragen.

Er eröffnete nun auf diesem Forum eine lesenswerte Diskussion zu einer gerade erschienenen Umfrage des US-amerikanischen Meinungsforschungsinstituts Zogby. Diese Umfrage scheint offen zu legen, dass die breite Mehrheit der US-Amerikaner auf der Seite der neokreationistischen "Intelligent-Design-Theorie" stünde und die Evolutionstheorie eher skeptisch einschätzen würde. Nur ein Drittel der US-Amerikaner scheint danach der Evolutionstheorie zu trauen. Herr Peitz fragt sich nun, ob diese Zahlen die kulturelle Realität tatsächlich abbilden oder vielleicht eher aus dem Forschungsdesign des Auftraggebers der Studie - dem Kreationismus-Think-Tank Discovery Institute resultieren. Er tendiert in seiner Einschätzung unzweifelhaft zu letzterem. Nachfolgend möchte ich diese Diskussion aufgreifen, aber an Hand eines Beispiels auch um die Frage erweitern, ob auch in Deutschland ähnlich tendenzielle Umfragen stattfinden könnten.

Hier nun die jeweiligen Aussagen bzw. Fragen der Zogby-Umfrage, bei denen die Interviewten entscheiden mussten, welche Alternative ihnen am nächsten liegt bzw. in welchem Umfang sie zustimmen:


A: Die Entwicklung des Lebens ereignete sich durch einen ungelenkten Prozess zufälliger Mutationen und natürlicher Selektion
B: Die Entwicklung des Lebens wurde durch ein Intelligent Design gelenkt.
33% stimmten für A, für den ungelenkten Prozess durch die evolutiven Mechanismen Mutation und Selektion; 52% stimmten für B, die Lenkung durch ein intelligentes Design. 15% waren sich nicht sicher oder hätten eine andere Option gewollt.



Stimmen Sie zu oder lehnen Sie ab, dass Lehrer wie Schüler die akademische Freiheit haben sollten, Stärken und Schwächen der Evolutionstheorie zu diskutieren?
Zusammengenommen stimmten 80% zu, 17% lehnten ab, 4% waren sich nicht sicher.



A: Biologielehrer sollten nur Darwins Evolutionstheorie und die wissenschaftlichen Belege für sie lehren.
B: Biologielehrer sollten Darwins Evolutionstheorie lehren, aber auch die wissenschaftlichen Belege gegen sie.
Verständlicherweise stimmen wenige für A, nämlich 14%. 78% wollen B, die vermeintlich ausgewogene Diskussion von pros und cons.

Als Charles Darwin über die Beweise für seine Evolutionstheorie nachdachte, schrieb er: "Ein richtiges Ergebnis lässt sich aber nur dadurch erlangen, dass man alle Tatsachen und Gründe, welche für und gegen jede einzelne Frage sprechen, zusammenstellt und sorgfältig gegeneinander abwägt".
Die Befragten wurden wieder um abgestufte Zustimmung oder Ablehung gebeten. 76% stimmten insgesamt zu, 18% lehnten ab, 5% waren sich nicht sicher.


Heinz-Hermann Peitz diskutiert die Art der Fragestellung und die verbundenen Implikationen sehr offen und umfassend. Er kommt zu folgendem Fazit:

"... Offenbar geht es nicht um Erkenntnis, sondern um politischen Einfluss und um kulturelle Deutungshoheit. Mit der Zogby-Umfrage hat man nun - die juristischen Blamagen von Dover noch im Hinterkopf - von einem weltanschaulich unabhängigen Institut den Beleg, dass die Mehrheit der US-Amerikaner hinter den Argumenten des Discovery Institutes steht! Denn die Fragen der Meinungsforschung griffen auf nichts anderes zu als auf zentrale Argumentationsmuster des Intelligent Design Movement (wenn man einmal von dem in Telefoninterviews schwer vermittelbaren Argument der irreduziblen Komplexität absieht). Scheinbar paradox: Man kann den geschickt gestellten Fragen eigentlich nur im Sinne des Discovery Institutes zustimmen, gleichzeitig aber mit guten Gründen dem "Intelligent Design" naturwissenschaftlich, weltanschaulich, theologisch und politisch eine klare Absage erteilen. In diesem Sinne bin ich sehr auf die Wirkung der Umfrage gespannt."

Lesen Sie die ausführliche Interpretation der Umfrageergebnisse durch Herrn Peitz auf dem Forum Grenzfragen:
http://www.forum-grenzfragen.de/aktuelles/010709-die-mehrheit-der-amerikaner-fuer-id.php
Die Originalumfrage ist hier hinterlegt: http://www.evolutionnews.org/zogby09poll063009%20(2).pdf



Diskussion:

Herrn Peitz ist mit seiner kritischen Einschätzung zur Zogby-Umfrage überaus Recht zu geben
. Unstrittig ist, dass Kreationismus, incl. der sog. "Intelligent Design-Theorie" in USA nach wie vor einen ernstzunehmenden Einfluss ausübt. Sicherlich ist auch richtig, dass einige der Ziele der US-Kreationisten, nämlich Verunsicherung zu streuen und viele gesellschaftliche Bereiche zu infiltrieren, auch teilweise erreicht worden sind. Dennoch will das Discovery Institute gerade mit dieser Umfrage offensichtlich den "Erfolg" der eigenen Bemühungen überbetonen und damit auch verzerrt darstellen.

Vollkommen offensichtlich wurden, wie Herr Peitz sehr genau erkannt hat, die meisten Fragen sehr tendenziös gestellt. Die Antworten darauf können jedenfalls nicht als Unterstreichen des Erfolgs des (Neo-)Kreationismus gewertet werden. Herr Peitz hat Recht mit seiner Einschätzung, dass die Art der Fragestellung im Prinzip von vorne herein die Beantwortungsverteilung eindeutig präjudizierte. Wesentliche Fragen, wie die, ob man Evolutionstheorie als Interpretation der biologischen Mechanismen der Evolution und Religion(en) oder metaphysische Philosophie als Hilfsmittel zur Beantwortung von Sinnfragen sieht und ob sich diese zwingend widersprechen müssen, wurden nicht gestellt.


Design: ein Begriff ohne Definition?

Nachfolgend greife ich einen Aspekt besonders heraus: Das sind Fragen zur Bedeutung eines "Designs". Ganz eindeutig wird der Begriff "Design" in der Theologie, in der Biologie und in der ID-Bewegung unterschiedlich verwendet.

Ich erlaube mir hier zunächst einen entsprechenenden Abschnitt eines früheren Gastkommentars im Achdulieberdarwin-Blog zu zitieren. Frau Dr. Kölb-Ebert diskutierte folgendes zum Begriff "Design":

"Wenden wir uns nun dem theologischen Gegenpol des Zufallsbegriff zu, dem Wörtchen Zweck oder Design: Im Alltag benutzen wir das Wort Design, um die bewusste, künstlerische Gestaltung eines Gebrauchsgegenstandes oder einer Gebrauchsgraphik zu charakterisieren. Im angelsächsischen Sprachraum umfasst der Begriff auch technisch-konstruktive Anteile der Gestaltung, den „Bauplan“. In diesem Sinne taucht Design auch als Fachbegriff in der Biologie auf. Die Naturwissenschaft leugnet also keineswegs Design in der Natur und sie hat jede Menge Indizien gesammelt, die darauf hindeuten, dass dieses Design durch natürliche Prozesse im Rahmen der biologischen Evolution entsteht.
Im 19. Jahrhundert meinte Design im Englischen jedoch noch etwas anderes, nämlich Absicht oder Zweck. So
gebraucht beispielsweise Jane Austen in ihren Romanen dieses Wort. Dass der Romanheld die Heldin im Garten traf, war kein Zufall, denn er tat es „by design“, mit Absicht. Und das entspricht im Prinzip dem heutigen theologischen Sprachgebrauch: Hier ist Gott derjenige, der Absichten mit uns und der Welt verfolgt.
Noch einmal anders verwendete die so genannte Natürliche Theologie des 18. und frühen 19. Jahrhunderts den Begriff. Sie sah in der zweckmäßigen Angepasstheit der Organismen an ihren Lebensraum und ihre Lebensweise einen wichtigen Hinweis auf einen fürsorgenden und lenkenden Gott. Einzelne Vertreter wie etwa William Paley bauten diese Argumentation zu dem Versuch eines teleologischen Gottesbeweises aus. Dem gegenüber war es Darwins Verdienst, zu zeigen, dass Design im Sinne von zweckmäßigen Biokonstruktionen auch durch di
e Wirkung von natürlichen Ursachen (Zweitursachen im theologischen Sinne) erklärt werden kann, was selbstverständlich keine Aussage über eine Erstursache macht. Deshalb konnte Charles Darwin in seinem Buch über den Ursprung der Arten denn auch schreiben: „Nach meiner Ansicht, stimmt es besser mit dem überein, was wir über die Gesetze wissen, die der Schöpfer der Materie auferlegt hat, wenn wir davon ausgehen, das die Erzeugung und das Aussterben gegenwärtiger und vergangener Bewohner der Welt Zweitursachen geschuldet ist, wie jene, die Geburt und Tod des Individuums bestimmen.”
Während die Vertreter der Natürlichen Theologie noch die Gesamtheit der Organismen und ihrer Biokonstruktionen im Blick hatten, die sie mit den größten feinmechanischen Wunderwerken ihrer Zeit verglichen, und als tiefgläubige Menschen aus ihrem Glauben heraus die Welt interpretierten, verortet die in den 1980er Jahren entstandene, kreationistische Intelligent Design-Bewegung Gottes Wirken in den Lücken gegenwärtiger naturwissenschaftlicher Erkenntnis und degradiert ihn damit zu einer „natürlichen“ Ursache unter vielen. Der Plan, also die Absicht Gottes - design im Sinne des 19. Jahrhunderts - wird so zum Bauplan - design im modernen, angelsächsischen Sinne - eines Schöpfergottes, der an seiner - offenbar mangelhaften? - Schöpfung ständig in den Lücken naturalistischer Erklärungen herumbasteln muss. Damit wird dem Gottesverständnis natürlich ein schlechter Dienst erwiesen. Denn
man schiebt Gott gedanklich mit jeder durch neue Erkenntnis geschlossenen Lücke unweigerlich aus der Welt hinaus, in die man ihn doch gerade hineinholen wollte. Dass „Intelligent Design“ dennoch gelegentlich einen Weg in theologische Gedankengänge findet, verdankt die Bewegung wesentlich dem geschilderten Missverständnis um das Wörtchen Design oder Zweck.
Daran sieht man, wie gefährlich Fachsprachen für den interdisziplinären Dialog von Naturwissenschaft und Theologie sein können. Wo es sich nur um lateinische oder griechische Fremdwörter handelt, merken wi
r dies schnell und fragen nach. Schwierig wird es, wo scheinbar ganz einfache, der Umgangssprache entlehnte Begriffe verwenden werde, leider aber jeder etwas anderes darunter verstehen. Wenn wir Glück haben, so fällt uns rechtzeitig auf, dass wir aneinander vorbeireden. Wenn wir Pech haben, missverstehen wir uns gründlich und ziehen uns frustriert vom Dialog zurück mit dem fatalen Eindruck, dass mit dem andern ja doch nicht vernünftig zu reden ist. Das Ergebnis sind unnötige Konflikte zwischen Parteien, die eigentlich in selben Boot sitzen." (Zitat Ende)
(aus http://achdulieberdarwin.blogspot.com/2009/03/wir-sind-kein-reiner-zufall-oder-doch.html)

Nach diesem Einschub um Begriffsklärung zurück zur Zogby-Umfrage. Diese Umfrage soll also eindeutig veranschaulichen, wie sehr die erklärte Strategie der Kreationisten, nämlich einen gesellschaftlichen Keil zwischen Religion und Wissenschaft einzutreiben, bereits vorangeschritten ist. Sie und fügt sich letztendlich in die übliche Strategie der Kreationisten ein, nach erzielter Verunsicherung eine Entweder - Oder-Position zu erreichen: Man kann sich also entweder nur für Wissenschaft oder nur für Religion entscheiden. Damit dies nicht so offensichtlich und plakativ daher kommt, stellt man eben als Alternativen eine angeblich religionsinkompatible etablierte Naturwissenschaft einer angeblich gotteskompatiblen Pseudowissenschaft gegenüber, sozusagen die Lösung aus dem Dilemma: man kann also doch Glauben und Wissenschaft zusammenbringen, aber nur wenn man den kruden Vorstellungen eines Discovery Instituts und seiner Anhänger folgt. Auf zum fundamentalistischen Gottesstaat mit dem Discovery Institute vornedran! (das ursprünglich geheime, dann aber doch versehentlich aufgetauchte Wedge-Document des Discovery-Instituts finden Sie hier: http://ncseweb.org/creationism/general/wedge-document )

Zogby International hat sich mit dieser tendenziös gefärbten Umfrage also wohl keinen guten Dienst erwiesen. Das an sich sehr renommierte Institut kam letztens während der Obama-Wahlkampagne in den Ruf, tendenziöse Umfragen, sog. "Push Polls" getätigt zu haben.
(siehe hierzu u.a. Zogby's Misleading Poll of Obama Voters: Wall Street Journal: http://blogs.wsj.com/numbersguy/zogbys-misleading-poll-of-obama-voters-459/
Zogby won't duplicate Obama poll
: Politico: http://www.politico.com/news/stories/1108/15829.html)



Push-Polls auch in Deutschland?

Die Naturwissenschaftler und viele moderne Theologen sind sich einig: den Kreationisten geht es nicht darum, alternative wissenschaftliche Theorien fundiert zu belegen und zu diskutieren, ihre Annahmen sind ja grundsätzlich nicht falsifizierbar und damit a priori unwissenschaftlich. Wissenschaft im Sinne der etablierten Wissenschaften und Religion erscheinen den Kreationisten nicht kompatibel, deshalb muss ein "Keil" dazwischen "eingetrieben" werden.

Allerdings vetreten "missionarische" Atheisten (- und nur diese Gruppe der Konfessionslosen sei hier gemeint - ), in Deutschland zum Beispiel die Giordano Bruno-Stiftung, dieselbe Strategie: Auch sie sehen Wissenschaft und Glaube als grundsätzlich nicht vereinbar an und arbeiten damit kräftig am Erfolg der Keil-Strategie der Kreationisten mit. Manche Gruppen unterstellen hierbei allen Religiösen naiven, unverantwortlichen Kinderglauben, der Sprecher der Giordano-Bruno-Stiftung bezeichnete sie gar als Religioten.

Von derartigen Gruppen in Auftrag gegebene Umfragen können meiner Einschätzung nach teilweise ähnlichen Mustern wie diejenige der Zogby-Umfrage. Ein Beispiel sei hierfür angegeben. Das von der Giordano Bruno-Stiftung gegründete und ursprünglich selbst als Projekt betriebene Fowid-Meinungsforschungsinstitut ließ 2005 Menschen in Deutschland ab 14 Jahren zu ihrer Einstellung zur Evolutionstheorie befragen. Es wurden folgende Aussagen zur Auswahl gestellt, wobei man sich offensichtlich für eine der Aussagen entscheiden musste:

1) „Das Leben auf der Erde ist ohne Einwirken einer höheren Macht entstanden und hat sich in einem natürlichen Entwicklungsprozess weiterentwickelt.“
61 Prozent (925 Personen) stimmten zu. Sie werden als "mit der Auffassung einer Evolution übereinstimmend" bezeichnet.


2) „Das Leben auf der Erde wurde von einem höheren Wesen bzw. von Gott erschaffen, durchlief aber einen langwierigen Entwicklungsprozess, der von dem höheren Wesen bzw. von Gott gesteuert wurde.“
25,2% der Befragten (383 Personen) stimmten hiermit überein. Herausgestellt wurde, dass hierbei 9 von 10 Mitglied einer Religionsgemeinschaft seien, Katholiken seien dort stärker
vertreten als Evangelische. Diese Gruppe wurde in der Auswertung als mit "der Auffassung eines Intelligenten Designs am ehesten zustimmend" bezeichnet.

3) Befragte, welche der Auffassung seien "Gott hat das Leben auf der Erde mit sämtlichen Arten direkt erschaffen, so, wie es in der Bibel steht“ werden in der Auswertung korrekterweise als Kreationisten bezeichnet. Dieser Position stimmen 12% der Befragten (188 Personen) zu.

Die Fowid-Umfrage findet sich unter http://fowid.de/fileadmin/datenarchiv/Evolution_-_Intelligentes_Design_-_Kreationismus_2005_01.pdf (dies ist die Fassung vom 10.10.2005)


Hinweis: Die Zahlen dieser Umfrage wurden später von FOWID nochmals leicht korrigiert sowie stärker aufgeschlüsselt. In einer Fowid-Meldung vom 11.11.2005 findet sich die Zahl, dass 13% einem biblischen Kreationismus anhingen, 25% der kreationistischen Variante Intelligent Design, und damit 38% die Evolutiontheorie bestreiten (http://fowid.de/aktuelles/einzelansicht/artikel/news-4/), gleichzeitig wird im Anhang eine Aufschlüsselung der Zahlen nicht nur nach Konfessionen, sondern auch nach alten und neuen Bundesländern gegeben(!). Der Osten ist danach deutlich weniger kreationistisch als der Westen, und angeblich sind 80% aller Kirchgänger kreationistisch, was wohl auf einen klaren Zusammenhang zwischen Unverträglichkeit von Religion und Naturwissenschaft hinweisen soll (?!), siehe nebenstehende Abbildungen sowie hier:
http://fowid.de/fileadmin/datenarchiv/Evolution_Kreationismus_Deutschland__2005.pdf


Zu FOWID: Fowid ist ein Projekt der Giordano Bruno Stiftung. Zwischenzeitlich wurde Fowid eine andere Trägerschaft gegeben, die aber ebenfalls von der GBS mitgetragen wird.
http://fowid.de/fileadmin/datenarchiv/Evolution_Kreationismus_Deutschland__2005.pdf

Aus http://fowid.de/fowid/: "fowid ist ursprünglich ein Projekt der Giordano Bruno Stiftung, Ende März 2006 ging es in die Trägerschaft der Humanistischen Arbeitsgemeinschaft (HUMAG GbR), in der sich die Giordano Bruno Stiftung und der Humanistische Verband Deutschlands (HVD) zusammengefunden hatten. Seit Novmber 2007 ist
fowid Teil des Humanistischen Pressedienstes, der vom hpd e.V. getragen wird."

Diese Befragung ist meiner Auffassung nach zumindest ähnlich tendenziös wie die vom Discovery-Institut in Auftrag gegebene:
Unzweifelhaft sind 12% (bzw. 13%) "echte" Kreationisten. Unzweifelhaft sind auch die 61%, welche Aussage 1 zustimmten, von der wissenschaftlichen Korrektheit der Evolutionstheorie überzeugt.
Inwieweit jedoch tatsächlich 25% Intelligent-Design-Neokreationisten sind, ist mehr als fraglich. In Aussage 2 werden nämlich potentielle Erst- und Zweitursachen kräftig vermengt. Wäre die Aussage nur: "Das Leben auf der Erde wurde von einem höheren Wesen bzw. von Gott erschaffen, durchlief aber einen langwierigen Entwicklungsprozess", wäre sie nicht automatisch mit dem als Intelligent-Design-Theorie bezeichneten Neo-Kreationismus in Verbindung zu bringen (der ja "ein bisschen" Evolution "zulässt", ein höheres Wesen allerdings als Lückenbüßer für angeblich zu komplexe Evolutionsvorgänge postuliert). Eine derartige Aussage wäre für viele kompatibel mit der theistischen oder gar deistischen Aussage: "Gott macht, dass sich die Dinge selber machen" (Teilhard de Chardin), wie sie ähnlich auch Charles Darwin aufgeschrieben hat (siehe auch oben im Text von Frau Kölbl-Ebert). Auch die Aussage, dass das Leben von Gott erschaffen wurde, ist nicht sehr klar verständlich. Ob damit eine generelle metaphysische Aussage gemeint ist, oder doch ein konkreter Akt der Schaffung des ersten Lebens bleibt recht unklar. Im zweiten Fall könnte man die Aussage tatsächlich im Sinne eines "Lückenbüßer-Eingriffes" sehen. Tatsächlich bleibt zu konzidieren, dass die Naturwissenschaften derzeit nur verschiedene miteinander konkurrierende Hypothesen zur Entstehung des ersten Lebens aufstellen können, von denen sich noch keine als fundierte wissenschaftliche Theorie in die Evolutionstheorie integrieren lässt. Obwohl also die Naturwissenschaften hier ihr bisheriges Unwissen ohne weiteres zugeben müssen, und dies auch ohne Probleme tun, wäre eine Entstehung ersten Lebens durch direkten göttlichen Eingriff natürlich dennoch eine klassische "Lückenbüßer-Argumentation".

Aber insbesondere ist der in der Umfrage verwendete Zusatz: "... langwierigen Entwicklungsprozess, der von dem höheren Wesen bzw. von Gott gesteuert wurde" sehr missverständlich. Er kann eigentlich so interpretiert werden, dass man sich das Leben damit gerade nicht nur als einmal generierten Prozess vorstellt, sondern den gesamten Ablauf der Evolution als Entstehung des Lebens auf der heutigen Erde vorstellt. Statt dessen wird der Satz bei Bejahung als Zustimmung zu neokreationistischen ID-Positionen interpretiert. Hätte man wirklich die gesellschaftliche Akzeptanz eines ID-Neo-Kreationismus analysieren wollen, hätte der Halbsatz etwa lauten müssen: ""... langwierigen Entwicklungsprozess, in den von dem höheren Wesen bzw. von Gott laufend in die biologischen oder geologischen Abläufe eingegriffen wird".

Hier wird also der Begriff "design" einmal mehr (bewusst?) missverstanden. "Gesteuert wurde" kann theologisch-metaphorisch auch "nur" bedeuten, mit einem allgemeinen "design", also übergeordneten "sinnhaften Zweck" ausgestattet worden zu sein, so wie dies von Kölbl-Ebert dargestellt wurde, während es in der Umfrage mit der neo-kreationistischen Bedeutung eines "intelligent design" im Sinne von immer wieder stattfindenden direkten Eingriffen in die natürliche Evolution zur Schaffung komplexer biologischer Strukturen vermengt wird.

Papst Benedikt XVI. sprach 2006 ebenfalls von einem „intelligenten Plan“ des Kosmos, der im obigen Sinne, also wohl nicht im Sinne eines kreationistischen Intelligent Design gemeint war. Wegen der verursachten sprachlichen
Verwirrung hat sich der Vatikan inzwischen deutlich vom kreationistischen "Intelligent Design" distanziert (Siehe hierzu auch einen Artikel der TIMES vom 11.2.2009: Vatican buries the hatchet with Charles Darwin.- siehe hier.). Eine metaphorisch gemeinte Steuerung der "Schöpfung" durch einen Gott wird jedoch weiterhin von der Katholischen Kirche angenommen und basiert u.a. auf einer vom "Kirchenvater" Augustinus so bezeichneten Philosophie einer "creatio continua" zurück. Augustinus wollte damit wohl verdeutlichen, dass die Schöpfung noch nicht abgeschlossen sei, sondern innerhalb ihrer Gesetze offen ist. Dieses innerhalb der Gesetze liegende kann, wer mag, auch als (durch Zweitursachen naturgesetzlich ablaufende) Evolution bezeichnen. Die Implementierung einer eventuellen gewollten Sinnhaftigkeit hinter einer Schöpfung, inklusive ihres naturgesetzlichen Anteils Evolution, wäre dann die theologisch angenommene Erstursache.

Ob man eine übergeordnete, nicht näher analysierbare Sinnfrage zur Evolution stellen will oder nicht (vereinfacht könnte man vielleicht auch sagen: ob man religiös ist oder nicht), bleibt selbstverständlich jedem einzelnen
überlassen. Für viele genügt ein aus der Evolutionstheorie ableitbares naturwissenschaftliches Weltbild auch als persönlicher Sinngeber. Fragen nac metaphysischen Erstursachen ergeben sich dann nicht. Für andere kommt aber zum naturwissenschaftlichen Weltbild eben noch ein tranzendentes, sinnstiftendes auf einer anderen Ebene hinzu. In beiden Fällen ergibt sich eine persönliche Weltanschauung, die jedoch nicht für alle verbindlich sein kann. Wenn also religiöse Menschen eine - selbstverständlich auch heute noch aktiv stattfindende - Evolution im Sinne einer "creatio continua" als metaphorisch verstandene Steuerung bzw. Sinngebung innerhalb einer Schöpfung interpretieren möchten (und dabei wie oben erwähnt klar bleibt, dass natürliche Evolution innerhalb der Naturgesetze nach kausalen Gesetzmäßigkeiten abläuft), kann dies meiner Auffassung nach als persönliche Glaubensangelegenheit von jedem Naturwissenschaftler akzeptiert werden, ohne dass solche Gläubige gleich mit den ID-Kreationisten (welche ja an einen "Lückenbüßer-Gott" glauben, der seine eigene unvollkommene Schöpfung laufend nachbessern muss) in einen Topf geworfen werden müssten. Derartiges zu implizieren, könnte man auch als in Kauf genommene Irreführung bezeichnen, vielleicht sogar, um alle Menschen, die auch religiös veranlagt sind, als ungebildete Religioten pauschalisieren zu können?

Die dargelegte Auswertung der GBS-Fowid-Umfrage behauptet also, dass 49% der Gesamtbevölkerung in Deutschland Kreationisten (incl. der ID-Neokreationisten) seinen. Tatsächlich zeigte die Umfrage, eine repräsentative Befragerauswahl vorausgesetzt, dass nachweisbar nur 12% Kreationisten sind, denn die mit 25% angegebene zusätzliche Gruppe, die an eine übergeordnete Steuerung glaubt, ist nicht insgesamt mit Anhängern der neokreationistischen "Intelligent-Design-Theorie" gleichzusetzen, obwohl sich darunter sicherlich auch etliche Neo-Kreationisten befinden.

Realistischer erscheinen hier schon Umfragen des SCIENCE-Magazins aus dem Jahr 2006, bei denen für Deutschland etwa 25% der Befragten angaben, die Evolutionstheorie nicht zu akzeptieren (SCIENCE-Artikel siehe hier, Ergebnissdiskussion in The Panda's Thumb siehe hier, siehe auch nebenstehende Abbildung daraus).



Persönlicher Nachsatz:
Ich vermute, dass ein Nachsatz zu diesen Zeilen notwendig ist: Ich wäre der letzte, der den nach wie vor weit verbreiteten und vielleicht auch teilweise noch zunehmenden Kreationismus (incl. des ID-Neokreationismus) relativieren oder gar verharmlosen möchte. Das erklärte bzw. implizierte Ziel der Kreationisten, gesellschaftliche Einflussnahme auf Bildung, Forschung und allgemeine Politik zu nehmen, ist nach wie vor sehr bedenklich. Und dass 20% oder 25% Prozent der Bevölkerung die Evolutionstheorie ablehnen, sollte gerade wegen der damit verbundenen gesellschaftspolitischen Aktivitäten nicht zum Sich-Zurücklehnen veranlassen. Aber gerade deshalb helfen plakative oder gar polemisierende Vereinfachungen und Schwarz-Weiß-Malereien à la "Gott oder Evolution" nichts (oder anders ausgedrückt: sie helfen nur den Kreationisten).
Um die Ausmaße kreationistischer Einflüsse zu erfassen, können sicherlich auch Umfragen hilfreich sein, allerdings nur, wenn sie keine Push-Polls darstellen, also nicht selbst lobbyistische Ziele verfolgen, sondern so unabhängig wie möglich durchgeführt werden und dies in den Fragen entsprechend reflektiert wird.
Unbestritten ist meines Erachtens allerdings ebenfalls, dass auch die modernen Kirchen noch Nachholbedarf haben, die Metaphorik etwa von biblischen Wundern näher zu erklären, damit eine theologisch-philosophische "Creatio Continua" eben nicht doch wieder zu einer Art von Zweitursachen-Eingriffe in die naturgesetzlich ablaufende Evolution und damit zu Neo-Kreationismus degradiert wird.

Gute argumentative Unterstützung bekommen sie hier bereits vom Begründer der "Creatio Continua"-Auffassung, nämlich Kirchenvater Augustinus, der (wie bereits an anderer Stelle in diesem Blog geschrieben) schon im Jahre 408 n.Chr. folgendes bemerkte: "Durch Einsicht oder Erfahrung kann man sehr sichere Erkenntnis über die Erde erfahren, und über den Himmel oder aus was die Welt sonst besteht. Auch über die Bewegung, Drehung ja selbst die Größe und die Entfernung der Sterne, über Finsternisse, Jahreszeiten, die Nature der Tiere, Früchte oder Steine - und dazu muß man gar kein Christ sein. Allerdings ist es wirklich schändlich und schädlich wenn ein Christ (...) über diese Dinge Unsinn erzählt weil das angeblich so in der christlichen Überlieferung stehe“.


FAZIT: Insgesamt zeigt sich, dass der Untergang des Abendlandes erfreulicherweise nicht bevorsteht. Dies scheint zwar die Giordano-Bruno-Stiftung mir den von ihr erhobenen Zahlen, sowie deren entsprechenden Darstellung implizieren zu wollen. Diese Zahlen sollen wohl beweisen, dass schon fast die Hälfte der Bevölkerung der alten Bundesländer kreationistisch sei, und dass sogar 80 % aller regelmäßigen Kirchgänger die Evolutionstheorie ablehnen würden. Bei Sätzen wie "Die Unterschiede - hinsichtlich der Auffassung einer Evolution - zwischen den Kirchenmitgliedern (58 bzw. 53 % Zustimmung) und den Konfessionslosen (87 % Zustimmung) sind deutlich" (aus der FOWID-Umfrage, siehe
hier) wird offensichtlich, dass hier theistische Einstellungen, die aufgrund der mehr als missverständlichen Frage 2 von FOWID zur Kategorie "Intelligent-Design-Kreationismus" gepackt wurden, bewusst und missbräuchlich als Ablehnung der Evolutionstheorie interpretiert werden. Ähnliches gilt für die Anmerkung, die von FOWID in ihrer Zahlendarstellung gemacht wird: "Für die deutsche Schulbildung ist es kein Qualitätsbeweis, dass in den Alten Bundsländern von den 14-44-Jährigen rund jeder Dritte eine Auffassung vertritt, die dem Kreationismus bzw. dem Intelligenten Design nahe steht. Für eine moderne Industrienation ist es in dieser Hinsicht kein Ruhmesblatt wissenschaftlich begründeter Schulbildung bzw. vernünftiger Weltorientierung." (Zitat Ende, siehe hier)

Ganz im Gegenteil ist es jedoch so, dass trotz der immensen Bemühungen der Kreationisten die naturwissenschaftliche Bildung bzw. Akzeptanz der Bevölkerung keinesfalls so katastrophal ist, wie hier behauptet wird. Gemäß SCIENCE-Bericht und weiteren Umfragen kann man plausibel einen Bevölkerungsanteil von 20-25% annehmen, welcher die Evolutionstheorie heute noch ablehnt bzw. vermutlich besser ausgedrückt, aus welchen Gründen auch immer nichts von ihr wissen möchte. Hier ist sicherlich noch weiter Boden gut zu machen, was auch möglich ist, wenn Deutschland konsequent auf sein ureigentliches Kapital, nämlich die Bildung setzt. Ideologisierende Argumentation und Datenmassage, von welcher Seite auch immer, sind hierzu jedoch nicht angebracht.


5.7.2009, Reinhold Leinfelder

(Dieser Artikel stellt ausschließlich die persönliche Meinung des Verfassers dar)