Mittwoch, 21. Oktober 2009

Streit um Darwin - Öffentliche Tagung, Berlin, 14.11.2009



Streit um Darwin

Kreationismus und Szientismus aus biologischer, wissenschaftstheoretischer und theologischer Sicht.


Öffentliche Tagung im Audimax der Humboldt-Universität
Samstag, 14.11.2009, freier Eintritt

Eine Veranstaltung des Museums für Naturkunde Berlin - Leibniz-Institut für Evolutions-und Biodiversitätsforschung an der Humboldt-Universität zu Berlin, gefördert von der Friedrich Stiftung. In Kooperation mit der Humboldt-Universität zu Berlin

"Geht es in der Welt mit rechten Dingen zu?"

Der methodische Naturalismus ist die Grundlage für die modernen Naturwissenschaften. Unter Verwendung minimaler metaphysischer Annahmen und der Hypothese maximalen Realismus, versuchen Naturwissenschaften möglichst transparent den evolutionären Charakter der Natur zu erklären. Mithilfe einiger Sparsamkeitsprinzipien und der strikten Anwendung des kritischen Rationalismus hat sich damit ein für alle zugängliches Programm entwickelt, das sowohl die Entwicklung des Kosmos als Ganzes als auch seiner Teilbereiche immer besser und besser versteht.

Harald Lesch ist seit 1995 Professor für theoretische Astrophysik am Institut für Astronomie und Astrophysik an der Ludwig-Maximilians-Universität München und unterrichtet Naturphilosophie an der Hochschule für Philosophie München. Einer breiten Öffentlichkeit ist er durch die Moderation der ZDF-Wissensreihe »Abenteuer Forschung« und der BR-Sendereihe alpha-Centauri bekannt. Prof. Lesch ist Autor zahlreicher Bücher und wurde vielfach für seine wissenschaftliche und publizistische Arbeit ausgezeichnet.

Prof.Dr.Harald Lesch, Einführungsvortrag 10.15 –11.00 Uhr



"Unser Menschenbild heute"

Die biologische Revolution des 19. Jahrhunderts hat unser Menschenbild tief erschüttert. Der Mensch steht nicht länger frei über der Natur, sondern er ist ein Teil von ihr. Und die Geschichte des Menschen und seiner Psyche muss von der Bakterie an aufwärts erzählt werden. Doch lässt sich all unser menschliches Verhalten rein naturwissenschaftlich erklären? In welchem Verhältnis stehen Physis und Psyche, Biologie und Kultur? Auch 150 Jahre nach Darwins »Entstehung der Arten« herrscht über diese Frage große Unklarheit. Der Philosoph und Publizist Richard David Precht vermisst das Terrain der konkurrierenden Deutungen über die Natur des Menschen und zieht seine eigenen Schlussfolgerungen.

Richard David Precht ist Philosoph, Publizist und Schriftsteller und als Autor von erfolgreichen Büchern zu philosophischen Themen bekannt geworden. Er promovierte 1994 an der Universität Köln und arbeitet seitdem für nahezu alle großen deutschen Zeitungen und Sendeanstalten, sowie als Fellow bei der »Chicago Tribune«. Im Jahr 2000 wurde er mit dem Publizistikpreis für Biomedizin ausgezeichnet. Seinen bislang größten Erfolg erlangte er mit dem Buch »Wer bin ich – und wenn ja wie viele?«, einer Einführung in die Philosophie mit Verbindungen zur Hirnforschung, Psychologie und Anthropologie.

Dr. Richard David Precht, Vortrag 13.15 –14.00 Uhr



Die auf Charles Darwin zurückgehende Evolutionstheorie hat die Biologie revolutioniert. Sie wurde seither mit neuen Methoden enorm weiterentwickelt und vielfältig abgesichert. Kein einziges Ergebnis der Biologie widerspricht der Evolutionstheorie. Dennoch wird die Evolutionstheorie seit ihrer erstmaligen Veröffentlichung teilweise angefeindet und zweckentfremdet. Kreationisten bezweifeln sie nach wie vor und kreieren eigene pseudowissenschaftliche Thesen.

Dagegen ist strikt zu trennen zwischen nachprüfbaren naturwissenschaftlichen Aussagen der Evolutionstheorie über die Entstehung und allmähliche Veränderung der Lebewesen und nicht nachprüfbaren theologischen Aussagen über den Sinn und das Ziel des menschlichen Lebens. Biologische und theologische Argumente geraten bei strikter Trennung nicht in Widerspruch. Dementsprechend lassen die großen Kirchen in Deutschland in der Regel keinen Zweifel an der Gültigkeit der Evolutionstheorie aufkommen.

Die Aussage, dass Naturwissenschaften und Gottesglaube sich nicht ausschließen, ist allerdings auch in der Biologie umstritten. Eine Gruppe Evolutionsbiologen im Gefolge von Richard Dawkins glaubt aus der Evolutionstheorie Atheismus ableiten zu können. Gemäß dieser biologistisch-szientistischen Auffassung lassen sich alle Fragen mit Hilfe naturwissenschaftlicher Methoden beantworten. Auf der Tagung setzen sich Biologen, Fachdidaktiker, Journalisten, Theologen und Wissenschaftstheoretiker mit dem Kreationismus und szientistischen Positionen auseinander und wagen den Versuch, ein Resümee sowie didaktische Empfehlungen aus den vielfältigen Diskussionen und Diskursen des laufenden Darwin-Jahrs zu erarbeiten.

Prof. Dr. Horst Bayrhuber
ehemaliger Direktor am Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften an der Universität Kiel

Prof. Dr. Reinhold Leinfelder
Generaldirektor des Museums für Naturkunde Berlin


Klick auf das nachstehende Programm vergrößert dieses:


Ausstellung:


> nähere Infos und Tagungsflyer als pdf:
www.naturkundemuseum-berlin.de/streit-um-darwin

Grafiken: Nils Hoff, © Museum für Naturkunde Berlin (kann im Kontext mit obiger Tagung bzw. der Darwin-Ausstellung des Museums für nicht kommerzielle Zwecke unter Copyrightangabe verwendet werden)

Kommentare:

  1. Ich habe mir den 11. November bereits rot im Kalender markiert. Diese Tagung interessiert mich sehr, auch wenn sich bereits beim Blick auf das Programm die ein oder andere Sorgenfalte auf meiner Stirn bildet.

    Auch ohne das Darwin Jahr wäre es wichtig, den Streit um Darwin zu thematisieren. Dennoch beschleicht mich der Verdacht, dass hier zwar auch die Positionen von Kreationisten und Szientisten diskutiert werden sollen, OHNE das Vertreter dieser Richtungen selbst zu Wort kommen.

    Ich wundere mich selbst ein wenig, dass mich das stört. Ich befürchte nur, dass die Tagung eher langweilig werden könnte, wenn sie doch nur in Selbstbeweihräucherung derjenigen endet, die sich der Ausgewogenheit und dem differenzierten Blick verschrieben haben. Wo bleibt der Streit und der Spaß? ;)

    Überhaupt muss ich sagen, dass bereits der Begriff "Szientisten" mich sehr stört. Natürlich geht es um die "Neuen Atheisten", die sich erdreisten, der Gottesfrage mit der wissenschaftlichen Methode auf den Leib rücken zu wollen. Dazu mag man stehen wie man will. Bisher ist mir jedoch nicht aufgefallen, das versucht wird, mit Hilfe diese Methode die Frage nach dem Sinn des Lebens jedes einzelnen Menschen beantworten zu wollen.

    Ich wundere mich ein wenig über die Omnipräsenz von Richard David Precht. Was nicht bedeutet, dass ich mich nicht auf seinen Vortrag freue.

    Ich freue mich sehr auf zwei der Kurzvorträge
    (und bin gespannt auf die Beiträge zu den Diskussionen):

    Das Thema von Dr. Martina Kölbl-Ebert erscheint mir extrem wichtig zu sein. Es ist für die wenigsten Menschen möglich, einen guten Überblick über alle Fachgebiete zu haben, auch dann, wenn sie unseren Alltag auf besonderer Weise betreffen. Als Beispiel seien die derzeitigen Vorgänge in der Wirtschaft und im Finanzwesen genannt, oder auch die Diskussion um die Grippeimpfungen. Das hohe Maß an Verunsicherung wird nicht zuletzt daraus gespeist, zum Teil einfach zu wenig Einblick in die Wissenschaft zu haben, der unabdingbar geworden ist, um größere Zusammenhänge zu verstehen. Da bestimmte Begriffe in Fachgebieten oft anders verstanden werden als in der normalen Umganssprache, nimmt die Verwirrung zu. Ich betrachte das als sehr ernsthaftes Problem.

    Aus ähnlichen Gründen bin ich gespannt, was Prof. Dr. Hammann erzählen wird. Die Ankündigung klingt nach starker Praxisorientierung, während einige der anderen Beiträge ja doch eher einem akademischen Diskurs verhaftet bleiben :)


    Insgesamt eine tolle Sache - ich wünsche Ihnen, Herr Leinfelder, gutes Gelingen und viel Spaß auf der Tagung!


    Liebe Grüße,
    Christian Ewald

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  2. Wenn zwei sich streiten - Am Ende des Darwin-Jahres bleibt eine Frage zum Glück unbeantwortet.
    Kurz vor Ende des Darwin-Jahres hat das Museum für Naturkunde eine Tagung zum Streit über Kreationismus und Szientismu veranstaltet. Die dort aufgearbeiteten Positionen - und die dort nicht verhandelte Meta-Position - liefern einen guten Überblick darüber, was es im Darwin-Jahr eigentlich zu feiern gab.
    Zum Tagungsbericht von Stefan Höltgen auf Telepolis (vom 23.12.09):
    http://www.heise.de/tp/r4/artikel/31/31703/1.html

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